Bewährungsstrafen für Überfall in Aldi-Markt

Marburg. Mit Gefängnisstrafen von einem Jahr für einen 18-Jährigen und einer von 16 Monaten für einen 20-Jährigen für eine gemeinschaftlich begangene Unterschlagung endete am Montag ein Prozess vor dem Marburger Jugendschöffengericht.

Beide Strafen wurden auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der 18-Jährige 100 Stunden, der 20-Jährige 50 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Beiden wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt und die Teilnahme an einem Anti-Aggressionstraining auferlegt.

Die jungen Männer hatten Ende März 2011 gemeinsam die Kasse des Kirchhainer Aldi-Marktes um 5040 Euro erleichtert. Die Tat hatten sie bereits am ersten Verhandlungstag Mitte Oktober gestanden. Die Idee zu dem vorgetäuschten Überfall hatte der 20-jährige, der nach einer Ausbildung bei dem Discounter kurz vor einer festen Übernahme stand.

Nach dem gemeinsam ausgedachten Plan sollte der 18-jährige kurz vor Ladenschluss mit einer Schreckschusspistole und Sturmhaube über dem Kopf in den Aldi-Markt stürmen – und dann von seinem Komplizen, der an der Kasse saß, die Herausgabe der Tageseinnahme verlangen. Das Geld wollten die beiden dann teilen.

Um die anderen Angestellten und die Polizei in die Irre zu führen, hatte der Räuber den Bekannten an der Kasse sogar mehrfach auf den Arm geschlagen. Tags darauf teilten die Beiden die Beute.

Beim Urteil für den 20-Jährigen spielte auch ein Vergehen gegen das Waffengesetz eine Rolle, denn bei einer Hausdurchsuchung war ein Klappmesser bei ihm gefunden worden. Außerdem schlug eine Körperverletzung zu Buche: Anfang Juni hatte der 20-Jährige in der Kirchhainer Fußgängerzone einen anderen jungen Mann mit Schlägen so verletzt, dass dieser eine blutende Lippe und mehrere schmerzhafte Prellungen davongetragen hatte. Sein Mittäter wurde zusätzlich wegen Handels mit Betäubungsmitteln in acht Fällen verurteilt. Die Jugendgerichtshilfe bescheinigte beiden eine noch vorhandene geistige Unreife, so dass Jugendstrafrecht zur Anwendung kam.

Das Vorstrafenregister des 20-jährigen weist bereits sieben, das des 18-jährigen fünf Eintragungen auf. Trotzdem bescheinigte das Gericht nach dem Vortrag der Jugendgerichtshilfe beiden eine günstige Sozialprognose.

Der 18-Jährige erschien zudem nach dreimonatiger Untersuchungshaft sichtlich geläutert vor Gericht. Der 20-Jährige geht wieder einer geregelten Arbeit nach und wohnt in gesicherten Familienverhältnissen mit Freundin und gemeinsamen Kind zusammen.

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

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