Mehr als 700 Menschen hörten zu

Margot Käßmann hält Vortrag über Aktualität der zehn Gebote

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Zu Gast im Kirchenkreis: Pfarrer Dierk Glitzenhirn vom Evangelischen Form, Dekan Christian Wachter (von links) und der Spieskappeler Pfarrer Marco Firnges (rechts) begrüßten gemeinsam mit mehr als 700 Zuhörern Margot Käßmann in der Klosterkirche.

Spieskappel. „Die Menschen fragen nach Werten“, sagte Prof. Dr. Margot Käßmann: Ihren Vortrag über die Aktualität der zehn Gebote hörten am Mittwochabend in der Klosterkirche in Spieskappel mehr als 700 Menschen.

Anlässlich der Frielendorfer Bibeltage, einer Veranstaltungsreihe des Evangelischen Forums Schwalm-Eder in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde Spieskappel-Frielendorf, dem Kirchenkreis Ziegenhain, dem Referat Erwachsenenbildung und der Bibelgesellschaft von Kurhessen-Waldeck, sprach die ehemalige Bischöfin auch in ihrer Eigenschaft als Lutherbotschafterin über die Bedeutung der zehn biblischen Gebote.

Dabei orientierte sie sich an alten Merktexten Martin Luthers im Kleinen Katechismus und interpretierte die einzelnen Gebote für unsere Zeit. „Es gibt in unserem Land ein Unbehagen“, meinte die Theologin. Die Gesellschaft befände sich permanent in Krisen wie zum Beispiel der Wirtschaftskrise, da könne die Bibel mit ihrer Jahrtausende alten Erfahrung helfen: „Die Bibel kennt das Leben“.

Und auch wenn oft die Meinung vorherrsche, in die Kirche ginge kaum einer mehr, liefere der Abend in Spieskappel den Gegenbeweis. Außerdem besuchten jeden Sonntag rund fünf Millionen Menschen einen Gottesdienst, im Vergleich aber nur 700.000 ein Bundesligastadion. Es waren diese weltliche Einschübe, die den interessanten Vortrag der Theologie-Professorin für die Zuhörer zusätzlich vergnüglich machten. Margot Käßmann sprach über ihre Verbundenheit mit den Menschen in Spieskappel, in deren Mitte sie jahrelang gelebt hatte. Ihr Vortrag war auch eine Benefizveranstaltung, die gesammelten Spenden sollen der Renovierung der Klosterkirche aus marodem Tuffstein zu Gute kommen.

Bei aller Orientierung, welche die Bibel geben könne, vergaß Käßmann nicht, auch die Fehlbarkeit des Menschen mit einzubeziehen, die der Mensch Gott gegenüber ruhig offenbaren könne. Die zehn Gebote versteht sie als sinnvolle Regeln für das Leben einer Gemeinschaft, die entstanden, als die Menschen sesshaft wurden und die auch heute noch Bestand haben und sinnvoll sind.

Es gelte, in einer Zeit der Vereinzelung und der Egomanie, in der es Slogan wie „Geiz ist geil“ gebe, für eine Ethik des „genug“ und für ein Konzept von Gemeinschaft einzutreten. Jeder habe auch eine Verantwortung im Umgang mit dem anderen, man könne beispielsweise nicht alle Pflege- und Erziehungsleistung an den Staat abgeben: „Wichtig ist, dass die Würde der Menschen, mit denen ich lebe, gewährt bleibt.“

Die zehn Gebote als Wertorientierung bedeuteten auch Freiheit, denn gemeinsame Werte, Geschichten, Lieder und Gebete seien Teil eines Rahmens von Kultur und Tradition, auf die der Mensch sich verlassen kann und die eine Gemeinschaft prägen.

Von Bettina Mangold

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Quelle: HNA

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