Anne Günther und arbeitet bei Rewe

"BiBs" bringen Menschen mit Behinderungen in Jobs

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Im Einsatz: Anne Günther in ihrer Arbeitsstelle, der Rewe-Filiale in Neustadt. Sie ist eine von 30 Beschäftigten der Hephata-Werkstätten. 

Schwalm. Anne Günther ist Beschäftigte der Hephata-Werkstätten und arbeitet auf einem „Betriebsintegrierten Beschäftigungsplatz“ in einer Rewe-Filiale in Neustadt.

„Anne, ich bin jetzt am Obst. Packst Du weiter aus?“ Alexandra Richber, Inhaberin der Rewe-Filiale in Neustadt, hat es eilig. Gerade ist der Lkw mit neuer Ware gekommen, alle müssen mit anpacken. „Ja, mache ich“, ruft Anne Günther ihrer Chefin zu. Die 28-Jährige liebt ihren Job, sie trägt den rot-weißen Kittel ihres Arbeitgebers gern, die Kolleginnen und Kollegen schätzen sie. Sie ist eine von ihnen, eine von 30.

Anne Günther ist Beschäftigte der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM) der Hephata Diakonie. Seit gut einem Jahr arbeitet sie in der Rewe-Filiale, auf einem „Betriebsintegrierten Beschäftigungsplatz (BiB)“. BiBs haben zum Ziel, Menschen mit Behinderungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt, im Idealfall in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis, zu bringen. Die Beschäftigten bleiben dabei zunächst unter dem organisatorischen Dach der WfbM, die auch die gesetzlichen Sozialversicherungsabgaben übernimmt sowie eine psycho-soziale Begleitung am Arbeitsplatz stellt. Den Lohn zahlen die Firmen.

Ohne den BiB würde Anne Günther weiter in den Hephata-Werkstätten arbeiten. Das hat sie ein paar Jahre gemacht, dann durch Praktika herausgefunden, wie sie ihre Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt einbringen kann. Bei ihrem jetzigen Arbeitgeber hat sie ein drei monatiges Praktikum absolviert, bevor ihr ein BiB angeboten wurde. „Es war Neuland für uns, einen Menschen mit Behinderung zu beschäftigen“, sagt Alexandra Richber. „Wir haben es gemacht. Anne kam und musste gleich mit anpacken. Da merkt man schnell, ob es klappt oder nicht. Bei ihr hat es funktioniert.“

Jobcoach unterstützt

Das empfindet Anne Günter umgekehrt genauso. Zu Beginn war WfbM-Jobcoach Birgit Mattheis immer an ihrer Seite. Gemeinsam lernten sie die Kollegen und Arbeitsabläufe kennen. Dann zog sich Birgit Mattheis mehr und mehr zurück, heute kommt sie noch einmal in der Woche in die Filiale. „Ich gucke, ob es Anne gut geht, wie die Stimmung ist, ob es Probleme oder Themen gibt, die besprochen werden müssen. Anne weiß, dass ich im Hintergrund bin, das gibt ihr Sicherheit.“

Sicherheit auch dabei, auf andere Menschen zuzugehen. Zum einen auf die Kolleginnen und Kollegen. Neulich waren sie gemeinsam kegeln. Bei der Kirmes ist Anne Günther im Team beim Umzug mitgelaufen. Zum anderen aber auch Sicherheit im Umgang mit den Kunden: „Wenn mich jemand fragt, wo etwas steht, führe ich ihn gerne hin. Wenn ich es nicht selbst weiß, frage ich einfach eine Kollegin“, sagt Günther. Ihre Chefin hat bislang gute Rückmeldungen zur Arbeit der 28-Jährigen bekommen: „Anne ist sehr pflichtbewusst, freundlich und pünktlich. Sie wird als zuvorkommend und aufgeschlossen geschätzt.“

In erster Linie arbeitet Anne Günther in der Abteilung der Milch- und Molkereiprodukte. Sie kontrolliert Milch, Joghurt, Quark, Butter und Käse auf Mindesthaltbarkeitsdaten. Sie scannt ein und zeichnet mit Preisen aus, sie füllt Bestände nach und sortiert ins Regal ein.

Die 28-Jährige hat aber noch mehr vor: „Ich würde sehr gerne an der Kasse arbeiten.“ Demnächst soll sie mit Birgit Mattheis probeweise damit anfangen. (red)

Quelle: HNA

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