Bienenflug im Wolfhager Land - ab acht Grad verlassen die Insekten ihren Stock

Alles sauber: Für Imker Richard Trutti hat die Arbeit begonnen. Er reinigt die Bödenkästen seiner Bienenstöcke, damit weder Luftzufuhr noch Flugloch verstopfen. Fotos: Schilling

Wolfhagen. Die Königin hat einige Leichen im Keller. Doch das schreckt Richard Trutti nicht. Gelassen hebt er den oberen Teil seines Bienenstocks ab, trägt den Bodenkasten zu einem Arbeitstisch und entfernt die toten Tiere.

Für den passionierten Imker aus Wolfhagen hat die Arbeitssaison begonnen. „Es ist wichtig, die Völker zu kontrollieren und zu gucken, ob sie noch genug Futter haben“, erklärt der 77-Jährige beim Besuch seiner Bienenstöcke im Wolfhager Stadtwald.

Um seinen Kopf schwirren einige Bienen herum, die meisten bleiben jedoch lieber im Warmen. Auch wenn die Insekten keinen Winterschlaf machen, ihren Stock verlassen sie erst bei Temperturen ab acht oder neun Grad Celsius. Und das auch nur, um ihren Darm zu entleeren. Auf Futtersuche begeben sich die fleißigen Tiere erst, wenn die Temperaturen zwölf Grad Celsius erreichen.

Futterstand prüfen

Darum ist es nach Aussage von Truttis Imkerkollegen Heinrich Bachmann umso wichtiger, im Februar oder März den Futterstand zu überprüfen. Ist von der im Herbst angelegten Nahrung nicht mehr genug da, müssen die Imker aushelfen - mit Futterwaben aus ihrer Reserve.

In der Natur dienen als erste Nahrungsquellen Frühblüher wie Weide, Haselnuss, Erle und Krokusse. Der Zucker aus Nektar dient dabei als Energiespender, die Pollen als Eiweißlieferant. Die Imker appellieren darum, mit dem Rückschnitt von Weiden bis nach der Blüte zu warten und auch Haselnuss und Erle vorher nicht zu stutzen. Denn genügend Nahrung ist die Voraussetzung für eine starke Brut.

Bienen leisten einen wichtigen Beitrag zum gesamten Ökösystem. „Das Wichtigste ist die Bestäubung der Pflanzen“, erklärt Trutti. Über 80 Prozent der heimischen Kulturpflanzen müssen zur Befruchtung von Insekten beflogen werden, bei den Obstbäumen leisten die Bienen fast 100 Prozent dieser Arbeit. Aber auch viele Wildpflanzen sind bei der Bestäubung auf Bienen angewiesen.

Sieben bis acht Völker

In Deutschland funktioniert das laut Trutti gut, weil sich die Imkerei auf viele Schultern und über das ganze Land verteilt, so dass auch überall für die Bestäubung der Blüten gesorgt sei. Deutsche Bienenhalter haben im Durchschnitt sieben bis acht Bienenvölker. Anders ist das etwa in den USA. Wie Trutti berichtet gibt es dort Imker, die 5000 Bienenvölker und mehr auf Sattelschleppern durch das Land fahren, um auf Bestellung landwirtschaftliche Flächen zu bestäuben. An anderer Stelle würden die Insekten dann aber fehlen. (mex)

Von Meike Schilling

Quelle: HNA

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