Biographie über Arbeit eines Homberger Künstlers

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Land-Art-Künstler seit 1994: Der Homberger Dr. Hans-Joachim Bauer mit der gerade erschienen Arbeitsbiographie von Harald Kimpel.

Homberg. Am Anfang war „Gott“: Aus einem Sonnenblumenfeld bei Mardorf stach der Name des Schöpfers weithin sichtbar hervor. 1994 war das. Die 70 mal 163 Meter große Plastik war die erste große Land-Art-Arbeit des Homberger Künstlers Dr. Joachim Bauer.

Es sollten viele weitere folgen, meist waren sie spektakulär, oft auch provozierend. Unter anderem ließ Bauer zum Hessentag 2008 die Titanic wieder auftauchen – diesmal aus einem Weizenfeld bei Homberg. Der Kasseler Kunstwissenschaftler Dr. Harald Kimpel hat die Land-Art-Projekte Bauers jetzt in einer Arbeitsbiografie (1994 - 2012) beschrieben und kunsthistorisch eingeordnet. Die Landschaft als Medium hätten Künstler schon Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre entdeckt, berichtet Kimpel in dem Band.

Impulse habe in den USA Walter de Maria gegeben, der mit seinem Vertikalen Erdkilometer 2006 an der documenta teilnahm. Die Freiluftkunst wurde in den USA als Earth Art oder Earth Work bezeichnet. Gemeint sei nicht nur Kunst in der Landschaft, sondern auch Kunst aus der Landschaft, schreibt Kimpel. Thema: Klimawandel Bauer thematisiere die Folgen menschlichen Handelns. Seine jüngeren Arbeiten setzen sich beispielsweise mit den Folgen des Klimawandels auseinander.

War die Land-Art des 71-Jährigen früher meist in seiner nordhessischen Heimat angesiedelt, so hat er inzwischen auch Projekte beispielsweise in Chile, Tunesien und Island realisiert. Auf dem Gletschersee Serrano in Patagonien versucht er 2010 wie ein moderne Sisyphos, abgebrochene Eismassen nur mit einem Motorboot wieder zur Abbruchkante des Gletschers zu transportieren. „Hirnweide“ zu BSE-Skandal Bauer lässt sich immer wieder von politischen Themen leiten. 2001, nachdem die BSE-Krise für Schlagzeilen gesorgt hatte, machte er mit seiner „Hirnweide“ auf die Leiden der Kreatur aufmerksam. Provozierend ließ er die angepflanzte Projektion eines Menschenpaares von Rindern auffressen.

Gerade ist Bauer von einer Reise aus Costa Rica zurückgekehrt – mit der Idee für eine neue Arbeit, die 2014 ein Beitrag zu einer großen Ausstellung in San José sein soll. „Der blühende Füllfederhalter“, nennt Bauer das Projekt, das sich auf die Geschichte Costa Ricas bezieht. Der Füllfederhalter, mit dem 1949 die Verfassung des Landes unterzeichnet worden war, spielt als Identifikationsobjekt für Menschen des mittelamerikanischen Landes eine große Rolle. Auch in Homberg wird bald wieder ein Landart-Projekt von Bauer zu sehen sein.

Es beschäftigt sich mit Transhumanismus, der Durchdringung des Menschen von moderner Technik. Dieses Thema lasse sich nicht leicht in die Landschaft projizieren, sagt Bauer. Man darf gespannt sein.

   

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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