Schüler sollten in den Herbstferien vor allem abschalten und nicht nur Stoff nachholen

Ein bisschen Luft schaffen

Gute Laune trotz Herbstwetter: Auch im Schwalm-Eder-Kreis freuen sich Kinder- und Jugendliche auf 14 Tage Ferien, wie hier Schüler der Reformschule in Kassel. Foto: Archiv/Schachtschneider

Schwalm-Eder. „Ferien sind zum Erholen da“, sagt Dieter Schorer. „Aber natürlich sollen Schüler den Stoff auch nicht vergessen.“ Schorer ist Elternbeiratsvorsitzender im Schwalm-Eder-Kreis, Vater einer 17-jährigen Tochter und selbst Lehrer an der Berufsschule Fritzlar.

Mit seinen Schülern hat Schorer kurz vor den Ferien einen Test gemacht, damit sie selbst sehen können, wo Nachholbedarf besteht: „Dann haben sie einen Plan aufgestellt, was sie wiederholen. Ich empfehle etwa zehn Minuten am Tag, aber sie können sich die Zeit individuell einteilen.“

Im Idealfall sei Lernen nämlich ein eigenständiger Prozess. Deshalb sollten sich Schüler die Lerninhalte in den Ferien selbst aussuchen. Ruhig auch aus Fächern, in denen sie keine Probleme haben: „Damit können sie Luft schaffen, um sich nach den Ferien mit schwierigeren Inhalten zu beschäftigen“, sagt Schorer. Man könne zum Beispiel auch mal ein Buch in einer Fremdsprache lesen.

Kurz vor den Herbstferien mussten viele Schüler noch einige Arbeiten schreiben: „Deswegen brauchen wir jetzt auch Entspannung“, sagt der stellvertretende Kreisschülersprecher Daniel Möhrke. Er geht in die elfte Klasse der Radko-Stöckl-Schule in Melsungen. „Lehrer erwarten aber, dass wir den Stoff nach den Ferien noch drauf haben. Deswegen ist es gut, zum Ende wieder ein bisschen reinzukommen.“

Dieter Schorer rät Eltern, spielerisch mit ihren Kindern zu üben. Vor allem jüngere Kinder sollten aber nicht überfordert werden. So sieht das auch Robert Braun, Leiter der Osterbachschule in Homberg: „Für Grundschüler hat das Entspannen oberste Priorität.“ Deswegen gebe es an seiner Schule auch den Beschluss, über die Ferien keine Hausaufgaben aufzugeben.

Richtig entspannen

Haupt- und Realschulleiter Berthold Umbach von der Anne-Frank-Schule in Fritzlar sagt: „Wer richtig gearbeitet hat, soll auch richtig entspannen. Wenn, dann sollten Schüler in kleinen Mengen Stoff nachholen.“ Auch er meint, dass Lehrer höchstens Empfehlungen geben und keine Vorschriften machen sollten: „Das wäre kontraproduktiv.“

Das sagt die Schulpsychologin:

„In den Kurzferien besteht keine Gefahr, dass Kinder vergessen, was sie bisher gelernt haben“, sagt Claudia Fritz. Sie ist seit 21 Jahren Schulpsychologin im staatlichen Schulamt für den Schwalm-Eder-Kreis. „Man muss das abwägen: Wenn Schüler gut in der Schule sind, sollten sie sich in den Ferien einfach entspannen. Wenn Üben nötig ist, dann mit Pausen.“ Kleinere Aufgaben wie Projekte und Präsentationen hätten ältere Schüler ja in den Ferien ohnehin zu erledigen. Grundschüler könnten ruhig das Einmaleins wiederholen: „Zehn Minuten Üben am Tag sind völlig unschädlich“. Aber Lernen in eine Urlaubsreise zu integrieren, sei schon schwieriger: „Das wird schnell zur familiären Belastung.“

Die kleinen Ferien reißen Schüler eigentlich aus dem Alltag, erklärt Fritz: „Herbstferien gab es früher, um die Kinder für die Kartoffelernte freizustellen. In den Osterferien war dann Zeit für die Aussaat.“ In südlicheren Ländern gibt es hingegen weniger kurze Ferien als in Deutschland und dafür eine längere Entspannungsphase im Sommer.

Von Nora Sonnabend

Quelle: HNA

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