Das Posaunenquartett Opus 4 kredenzte Außergewöhnliches und Stimmungsvolles

Von Blechbläsern verzaubert

Posaunenquartett der Extraklasse: (von links) Bassposaune, Honza Gimaletdinow; Tenorposaune, Stephan Meiner und Dirk Lehmann; Alt- und Tenorposaune Jörg Richter (Leiter des Ensembles). Foto:  Auerbach

Bad Zwesten. Es war ein Blechbläserabend der Extraklasse und passend zum dritten Advent, eine Hinwendung zur vorweihnachtlichen Stimmung und Besinnlichkeit. Das Posaunenquartett Opus 4 aus Leipzig bescherte dem Publikum im Kurhaus in Bad Zwesten ein besonderes musikalisches Erlebnis in doppelter Hinsicht.

Da ist zunächst das ausgefallene, anspruchsvolle Programm zu nennen. Neben sakralen und weltlichen Werken aus der Renaissance und dem Barock, nahm sich das Quartett mehrfach auch gleichnamige Lieder von bekannten und unbekannten Komponisten aus diesen Epochen vor. Diese Stücke erklangen in Variationsreihen aus unterschiedlichen, kontrastreichen Perspektiven.

Zeitreise von 400 Jahren

Als Zweites ist die Ausführung des Konzerts anzumerken. In überragender spielerischer Meisterschaft brachten die Posaunisten nicht nur die herbe Schönheit der barocken, adventlichen Musik, sondern auch die stilistischen Verschiedenheiten der alten Meister zum Ausdruck. Claudio Monteverdis (1567 bis 1643) „Gloria“ und „Exultent Caeli“ ertönten zu Konzertbeginn erhaben aber auch jubilierend beschwingt und entführten das Publikum 400 Jahre zurück in das Zeitalter der späten italienischen Renaissance. In der ersten Partita über das Thema „Nun kommt der Heiden Heiland“ war ein Choral von Andreas Raselius (1583 bis 1602), ein geistliches Konzert von Johann Hermann Schein (1583 bis 1630) und eine Choralbearbeitung von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) zu hören. Nach der Eröffnung im Unisono fächerten die Stimmen auf, umspielten einander in reizvollen Klangvarianten, fanden zum Schluss wieder zusammen und verklangen in einem herrlichen Akkord. Für die Musiker vom Gewandhausorchester in Leipzig ist es ganz selbstverständlich, einen besonderen Sinn für Johann Sebastian Bach zu zeigen. Der wirkte von 1723 bis 1750 in Leipzig.

Noch drei seiner Werke standen auf dem Programm. Darunter die berühmte „Toccata und Fuge in d-Moll“. Selbstbewusst schöpfte das Quartett die klanglichen Möglichkeiten der Instrumente aus und bewies, das was Bach eigentlich für die Orgel komponierte, sich ebenso glanzvoll und atemberaubend in der Bearbeitung für die etwas behäbig geltende Posaune vortragen lässt. Mit Variationen zum Thema „Vom Himmel hoch da komm ich her“ von Melchior Franck (1580 bis 1639, Johann Sebastian Bach, Michael Praetorius (1571 bis 1621) und Johann Hermann Schein endete die Suche nach Trost und Hoffnung in warmem, kunstvollem Klangzauber. Langem Beifall folgten drei Zugaben.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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