HNA-Lesertreff zur Kommunalwahl mit 250 Zuhörern in der Homberger Stadthalle

HNA-Lesertreff: Es bleibt die Qual der Wahl

Schwalm-Eder. Was er wählen soll, das weiß Dennis Gohlke noch immer nicht. Mit seinem Politik-Grundkurs der Fritzlarer KHS war er am Montag in die Stadthalle Homberg zum HNA-Lesertreff gekommen, um sein Problem zu lösen. Das sind die 71 Stimmen, die er für die Besetzung des Schwalm-Eder-Kreistages am 27. März vergeben kann. 250 HNA-Leser suchten wie er eine Antwort auf die Frage, „Wen soll ich wählen.“

Diese Frage würden sicherlich die sechs Kommunalpolitiker auf dem Podium ganz eindeutig zu jeweils ihren eigenen Gunsten beantworten, mutmaßte HNA-Ressortleiter Heinz Rohde. Der Schwalm-Eder-Chef und sein Kollege aus Fritzlar, Olaf Dellit, moderierten die Runde mit Kommunalpolitikern aus allen Kreisteilen und verschiednen politischen Lagern: Wirtschaftsförderung Den kürzesten Weg zur Stadthalle hatte Stefan Gerlach. Übrigens gelaufen mit in der eigenen Stadt gekauften schwarzen Lederschuhen; ein Beitrag, um die heimische Wirtschaft zu unterstützen. Denn: „Die Stadtkerne werden im Wesentlichen erhalten durch die Geschäftsleute.“ Der Homberger SPD-Mann weiß, dass das Interesse an der Kommunalpolitik relativ gering ist. Nach 20 Jahren in diesem Geschäft klagt er: „Politik ist sowas von lahmarschig geworden.“ Sie müsse schneller und effizienter werden. Weniger Bürokratie sei Wirtschaftsförderung. Der 48-jährige IT-Fachmann forderte Kommunikation per Internet, um Dennis und Altersgenossen für die Parlamente zu interessieren. Bürgerbeteiligung Die Bürgerbeteiligung ist ein schwieriges Feld, das weiß auch Günter Faupel, von der CDU Fritzlar. Selbst große Projekte wie das Freibad seien auf wenig Interesse gestoßen. Das bedauerte der 69-Jährige, dem Fritzlar als lebenswerte Heimat am Herzen liegt. Für Wohnqualität zu sorgen, neue Nutzung für altes Fachwerk zu finden, sei Aufgabe der Kommunalpolitik. Stadtplanung Städte erhalten, in denen die Menschen gern leben, das geht nach Meinung von Werner Rippel (FDP, 60) nur noch auf unkonventionellen Wegen. Wo immer mehr Rollatoren unterwegs sind, sei Kopfsteinpflaster fehl am Platze. Seine provokante These: Leer stehende Häuser durch die Kommune aufkaufen, abreißen und die Grundstücke den Nachbarn schenken. Und: „Ich würde lieber zwei Dorfgemeinschaftshäuser schließen und dafür Kindergartenplätze finanzieren.“

So sein Ausweg aus der Finanznot der Kommunen, die sich als heißes Thema wie ein roter Faden durch den Lesertreff zog. Immer weniger Geld für die Kommunen bei immer mehr Pflichtaufgaben, das war das gemeinsame Klagelied. Atomenergie Mitreden, dazu forderte vehement Volker Kaphingst (57) aus Schwalmstadt auf. Dem Linken ist die Mitsprache der kleinen Leute wichtig: „Der Bürger muss das Gefühl haben, ernst genommen zu werden.“ Und weil das Thema Atomenergie die Menschen derzeit so umtreibt, sprach er es an, auch wenn es kein kommunales ist: „Wer heute noch immer für Atomenergie ist, ist entweder dumm oder skrupelos.“ Ausnahmsweise heftiger Applaus. Weiter ging’s mit dem Finanzproblem. Betriebsansiedlungen Da bleibe nur der Klageweg gegen das Verteilsystem, meint Armin Heß (60) von der Unabhängigen Bürgerliste Schwarzenborn. Der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens bemängelte die „ungerechtfertigte Besserstellung der großen Städte“, deren Kosten auf viel mehr Schultern verteilen seien als in den Kommunen auf dem Land. Die könnten nur durch starke Betriebe mehr einnehmen. Dafür müssten sie eine gute Verkehrsanbindung, bezahlbaren Grund und Boden sowie günstige Energie anbieten. Weiche Standortvorteile Andere Schwerpunkte setzt Margitta Braun (56), die für die Grünen im Treysaer Parlament arbeitet. „Die wunderbare Kulturlandschaft“, die „Ackerflächen mit sehr guten Böden“, das seien die Pfunde, mit denen die Region wuchern könne. Die Psychotherapeutin möchte, „dass meine Stadt Gesicht hat“. Während nur 45 Prozent der Treysaer vor fünf Jahren gewählt hätten, habe das Großprojekt Wieragrund die Menschen offenbar heftig für die Kommunalpolitik interessiert. Ein Beispiel, dass die nicht immer langweilig sein muss.

Von Andrea Brückmann (Text) und Bastian Ludwig (Fotos)

Quelle: HNA

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