Der Leiter der Hochlandschule Gerhard Hosemann (64) ist in Ruhestand gegangen

Blick über den Tellerrand

Lehrer mit Leib und Seele: Ab 1996 leitete der gebürtige Südhesse Gerhard Hosemann die Hochlandschule in Gilserberg, installierte unter anderem das Konzept einer bewegten Schule. Foto: Rose

Gilserberg. Seit 40 Jahren ist Gerhard Hosemann Lehrer mit Leib und Seele. In den vergangenen 16 Jahren war der 64-Jährige Leiter der Hochlandschule Gilserberg: Jetzt freut sich Hosemann auf einen neuen Lebensabschnitt, seinen Ruhestand.

Der gebürtige Südhesse studierte von 1967 bis 71 in Frankfurt – „und dabei erlebte ich die Studentenrevolte und die Grundschulreform“. Zusammen mit seiner Frau, ebenfalls Grundschullehrerin, zog Hosemann 1972 nach Stadtallendorf und trat seine erste Stelle an.

„Dort war der Anteil türkischer Kinder sehr groß. Diese Arbeit hat mich geprägt“, sagt er. Er habe Erfahrungen gesammelt, die ihm in Gilserberg zugute kamen. „Durch das Wohnheim Kellerwald hatten wir etwa 20 Prozent Migrantenkinder“, erläutert Hosemann.

Über den Tellerrand zu schauen, das war dem Lehrer nicht nur selbst immer wichtig – das wollte er auch seinen Schülern vermitteln. Nach einer kurzen Stippvisite von 1994 bis 95 an der Grundschule Seigertshausen, übernahm Hosemann 1996 die Schulleitung im Hochland. Seitdem hat der 64-Jährige einen Spitznamen weg: Hosi. „Damit kann ich gut leben“, sagt er. Gut leben kann die Schule mittlerweile auch mit den Ideen, die Hosemann entwickelt hat. „Das Konzept einer bewegten Schule haben anfangs nicht alle mitgetragen“, erzählt er. Für die Bewegungspausen stehen den Kindern Klettermöglichkeiten, Fahr- und Spielzeuge zur Verfügung. Beim Blick über den Tellerrand hat auch die Partnerschaft der Gemeinde zu Rocheserviere geholfen: Daraus ist seit 2002 eine Schulfreundschaft gewachsen.

Angebote örtlicher Vereine

Vor wenigen Wochen reisten Gilserberger Grundschüler zum fünften Mal nach Südfrankreich. Im Stundenplan steht deshalb auch Französisch. Einen weiteren Schwerpunkt sieht Hosemann in der Öffnung der Schule. „Die Zusammenarbeit mit den Vereinen sowie der Kirchengemeinde und der Jugendpflege ist überaus verlässlich“, sagt er. Verlässlich sind an der Hochlandschule auch die Zeiten. „Die Nachfrage an Betreuung ist dadurch deutlich geringer“, erklärt Hosemann.

Die Zeit im Hochland hat Hosemann genossen: „Ich hatte ein tolles Team“, sagt er. Im Ruhestand will der 64-Jährige, der in Treysa wohnt, zwei erwachsene Töchter hat und viele Jahre kommunalpolitisch aktiv war, noch einige weiße Flecken auf der Landkarte bereisen. „Ich habe gern den Chef gespielt, aber jetzt freue ich mich auf ein Leben ohne Terminkalender.“ Als Südhesse hat er im Knüllgebirgsverein die Liebe zur Landschaft entdeckt: „Und die genieße ich.“ Die neue Leitung der Schule übernimmt Barbara Kaufmann-Wechsel.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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