Hobby- und Berufspiloten nahmen auf dem Heeresflugplatz an Motorflugtraining teil

Blindanflug auf Fritzlar

Hoch über der Domstadt: Diesen Blick haben in den vergangenen Tagen viele Piloten genossen, die bei einem Motorflugtraining auf dem Heeresflugplatz in Fritzlar teilgenommen haben. Kleines Bild: Robert Klötzer (links) und Gregor Thamm.   Fotos:  Wagner

Fritzlar. Fliegen, ohne aus dem Fenster zu schauen: Das will auch Robert Klötzer aus Kiel beherrschen. Der 39-Jährige ist mit seiner Cessna 182 angereist. Klötzer ist Rechtsanwalt und nutzt seine viersitzige Propellermaschine wie andere die Bahn oder das Auto. „Wenn ich einen Termin in Frankfurt habe oder meine Familie in Süddeutschland besuche, nutze ich die Cessna.“

Obwohl er seit sieben Jahren eine Fluglizenz besitzt, nimmt er regelmäßig Unterricht. „Man weiß ja nie, was in der Luft alles passieren kann.“ Was alles passieren kann, weiß Gregor Thamm aus Frankfurt. Der gebürtige Frankenberger fliegt seit 28 Jahren und hat ebenfalls ein eigenes Flugzeug, mit dem er durch ganz Europa tourt. Der erfahrene Pilot und Flugsicherungsangestellte ist an diesem Tag der Co-Pilot von Robert Klötzer und schult ihn in Blindanflugverfahren, kurz GCA.

Nach Theorie, Routenplanung, Benzin- und Ölcheck geht es für Klötzer und Thamm auf das Rollfeld. Starterlaubnis. Und bereits nach 250 Metern Fahrt hebt die Cessna ab und steigt auf 1000 bis 1500 Meter. Es geht vorbei an Borken und Schwalmstadt über Wälder und Seen nach Marburg. Und immer wieder trainieren die passionierten Piloten Blindanflüge mit den Radarsystemen.

Das Flugzeug wackelt, sinkt und steigt, wird schneller, dann langsamer: „Für Menschen mit einem empfindlichen Magen ist das nichts. Notfalls kann ich aber auf jeder Wiese landen“, sagt Robert Klötzer.

300 Meter reichen aus

Bereits nach 15 bis 20 Minuten setzt Klöster in der Nähe von Marburg zur Landung an. „Eine Landebahn von 300 Metern reicht völlig aus.“ Sehr viel länger ist die Landewiese bei Marburg auch nicht. Dort will er schnell tanken und dann weiterfliegen. „Flugbenzin ist rund einen Euro pro Liter teurer als normales Benzin.“ Ein voller Tank kostet da schon mal 500 Euro. „Und trotzdem bin ich mit dem Flugzeug günstiger unterwegs, als mit der Bahn.“ Ein voller Tank reicht laut Klötzer für eine Strecke von Kiel bis Norditalien.“

Nur in der Anschaffung seien die Maschinen nicht ganz billig. Klötzers Cessna aus dem Jahr 1972 ist heute noch 100 000 Euro wert. „Der Wertverfall ist mit dem von Autos nicht zu vergleichen“, so Klötzer. „Es gibt aber auch schon günstige Flugzeuge ab 50 000 Euro“, sagt Gregor Thamm.

Bessere Ausstattung

Organisiert wurde das Training von dem Verband der Allgemeinen Luftfahrt (AOPA). Regelmäßig gibt es für Mitglieder Seminaren. „Zum ersten Mal veranstalten wir eine Fortbildung gemeinsam mit einer militärischen Einrichtung“, sagt Otto Stein, Ausbildungsleiter beim AOPA. „Auf dem Heeresflugplatz können wir auf eine viel bessere technische Ausstattung zurückgreifen als auf kleinen Verkehrslandeplätzen.“

Von Heike Wagner

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare