Gärtnereien im Landkreis dürfen am Totensonntag nichts Weihnachtliches mehr verkaufen

Blumen ja, Adventskranz nein

Hans Hänel

Kreis Kassel. Seit 1978 ist es Brauch, dass Gärtnerbetriebe und Blumenhändler am Totensonntag ihre Adventsschauen veranstalten – und die Kunden sich für die Weihnachtszeit mit Adventskränzen und -gestecken eindecken. Künftig dürfen die Floristen an diesem Tag nur noch Blumen und Grabgestecke verkaufen, denn das Hessische Ladenöffnungsgesetz (HLöG) wird zum Schutz von Feiertagen in Stadt und Landkreis konsequent ausgelegt und auch kontrolliert.

Es war keine angenehme Post, die Floristmeister Heinrich Göllner aus Baunatal, Vorsitzender des Fachverbands Deutscher Floristen, am 26. Oktober seinen Kollegen zustellen musste. Die Kernaussage des Briefes: Den Adventsschautag im bisher praktizierten Stil darf es nicht mehr geben. „Dafür musste nicht das Gesetz geändert werden“, sagt Göllner.

Unter Paragraf 4, Absatz 5 HLöG heißt es: „Verkaufsstellen, in denen Blumen in erheblichem Umfang feilgehalten werden, dürfen für die Dauer von sechs Stunden für die Abgabe von Blumen geöffnet sein.“ Paragraf 4 regelt die Sonderöffnungszeiten zum Schutz von Sonn- und Feiertagen.

Die Erlaubnis erstreckt sich am Totensonntag auch auf den Verkauf von Trauerkränzen. Ein Adventskranz aber ist wegen seines freudigen Charakters mit dem Geist des Feiertags nicht mehr vereinbar – beim Inhaber des Habichtswalder Blumenhofs Hans Hänel hinterlässt dies Unverständnis: „Der Verkauf von Adventskränzen bricht nicht nicht mit dem stillen, besinnlichen Charakter des Totensonntags.“ Egbert Bachmann, Seniorchef des Gartencenters Bachmann in Wolfhagen, sieht das ähnlich: „In den Vorjahren haben wir unsere Adventsartikel in aller Stille präsentiert.“

Grund für die verschärfte Auslegung des Feiertagsgesetzes waren Klagen über einen Gartenmarkt in Hofgeismar, der am Totensonntag 2008 seine Adventsschau mit Musik, Glühweinausschank und Kinderbelustigung feierte. „Bis dahin hatte sich niemand über die Praxis der Gärtner beschwert“, sagt Harald Kühlborn, Pressesprecher des Landkreises.

Doch nach diesen Klagen habe man die Ordnungsbehörden in den Gemeinden auf eine strikte Kontrolle des Gesetzes hinweisen müssen.

Die Ordnungsbehörden im Landkreis haben angekündigt, geöffnete Blumenläden und Gärtnereien stichprobenartig Kontrollbesuche abzustatten: „Wenn Verstöße festgestellt werden, können die mit einem Bußgeld von bis zu 2500 Euro geahndet werden“ sagt Roland Brandenstein, Fachdienstleiter für Gewerberecht vom Landkreis Kassel.

Schau vorverlegt

Den Gärtnereien im Wolfhager Land bereitet diese Ankündigung Kopfzerbrechen. Denn was verkauft werden darf und was nicht, ist schlichtweg Auslegungssache, sagt Hans Hänel: „Adventskranz und Trauerkranz unterscheiden sich oft nur durch ihre Nutzung“, sagt er. Korrekterweise müsse er jeden Kunden fragen, ob er den Kranz aufs Grab legen will oder auf den Wohnzimmertisch.

Der Inhaber des Habichtswalder Blumenhofs hat seine Schau prompt auf Samstag vorverlegt – und rechnet dennoch mit Umsatzeinbußen von 20 Prozent, die durch das Verkaufsverbot am Sonntag entstehen: „Sonntags wären mehr Besucher gekommen“.

Auch Egbert Bachmann rechnet mit einem Rückgang von Besuchern am Totensonntag. „Wir rechnen damit, dass die Besucherzahlen um 75 Prozent zurückgehen.“

Was Bachmann besonders wurmt, sind die unterschiedlichen Handhabungen der Behörden: „Die Kollegen in Waldeck-Frankenberg können die Tradition der Adventsausstellungen fortführen – und niemanden stört es.“ Das verzerre den Wettbewerb unter den Gärtnereien.

Nicht nachvollziehen können die Gärtner zudem, warum der Verkauf in anderer Branchen am Totensonntag nicht eingeschränkt werde. Hans Hänel: „Das ist ungerecht.“

Von Wilhelm Ditzel und Pia Schleichert

Quelle: HNA

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