28-Jähriger aus Fritzlar vor Landgericht - Überwachungskameras werden ausgewertet

Blut floss in der Disco A 7

Fritzlar/Kassel. Weil er einem Mann aus Kassel in der Discothek A 7 ein abgebrochenes Bierglas in den Hals gestoßen haben soll, musste sich gestern ein 28-jähriger Mann aus Fritzlar vor dem Landgericht verantworten. Videoaufnahmen einer Überwachungskamera zeigen das Geschehen in der Nacht zum 17. November 2013 in verschwommenen Bildern.

Weil die Verteidigung eine erneute Auswertung dieser Aufnahmen beantragte, konnte das Berufungsverfahren vor der 7. Strafkammer gestern nicht abgeschlossen werden. Es wird voraussichtlich am 7. Oktober fortgesetzt.

Im Dezember 2014 hatte das Amtsgericht den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 300 Euro verurteilt. Weil die Staatsanwaltschaft und das Opfer als Nebenkläger dagegen Berufung eingelegt hatten, wird das Verfahren jetzt vor dem Landgericht neu aufgerollt.

Auch die Aussagen mehrerer Zeugen konnten gestern keine Klarheit über den Tathergang schaffen. Erinnerungslücken und widersprüchliche Aussagen erschwerten eine Bewertung.

Fest steht, dass es in dieser Nacht gegen 3 Uhr morgens zu einer Rangelei zwischen mehreren jungen Männern gekommen war, in deren Verlauf ein 29-Jähriger leicht an der Hand verletzt wurde. Ein gleichaltriger Kasseler hatte schlichtend eingreifen wollen und trug dabei - vermutlich durch ein zerbrochenes Weizenbierglas - eine heftig blutende Halswunde davon.

Mehrere Besucher hatten den Mann aus Fritzlar als Täter angezeigt. Sicherheitspersonal nahm den Mann vorläufig fest, ein Türsteher sagte gestern aus, er habe die Verletzungen des Kasselers als lebensgefährlich eingestuft.

Der Psychiater Dr. Hans Hufnagel, der ein Gutachten zur strafrechtlichen Verantwortung des Angeklagten abgab, schilderte den Fritzlarer als psychisch krank. Panikattacken und Depressionen hätten zu einer Erwerbsunfähigkeits-Rente geführt. Der Mann sei nach einer Alkohol-Therapie seit 2008 abstinent gewesen, habe dann aber wieder Alkohol getrunken. Am Tatabend habe er bis zu 2,66 Promille im Blut gehabt, sei aber durchaus nicht volltrunken gewesen. Die psychischen Erkrankungen des 28-Jährigen hätten keine Auswirkung auf das Geschehen im A 7.

Die Überwachungskameras hatten verschwommene, dunkle Bilder geliefert. Gleichwohl beantragte die Verteidigung eine erneute Auswertung der Bilder. Richter Reichhardt hatte eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldstrafe angeregt. Das allerdings hatte Staatsanwältin Maren Herwig abgelehnt.

Von Thomas Stier

Quelle: HNA

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