Gymnasiast Samuel Lucht wechselt von der Filchner-Schule auf ein Spitzeninternat

Der bodenständige Überflieger

Zwei Seiten, die für Samuel Lucht die Schlüssel zu einem neuen Lebensabschnitt sind: Der 16-Jährige Schüler mit seinem Einser-Zeugnis der Wilhelm-Filchner-Schule und der Zusage für die Internatschule Schloss Hansenberg. Foto: Laumann

wolfhagen. WG statt Elternhaus, Chinesisch statt Ringen, Internat statt Wilhelm-Filchner-Schule: Wenn am 8. August das neue Schuljahr beginnt, startet Samuel Lucht in einen neuen Lebensabschnitt - 260 Kilometer vom heimatlichen Bründersen entfernt. Der 16-jährige Gymnasiast mit dem Notendurchschnitt 1,0 wechselt auf die Internatschule Schloss Hansenberg in der Nähe von Wiesbaden.

„Die Vorfreude ist groß“, sagt Lucht. Vor ihm liegt ein blauer DIN-A4-Ordner. Hunderte Seiten, die seinen Weg auf die Spitzenschule dokumentieren. Am Anfang steht ein Brief des Kultusministeriums: „Wenn du magst, kannst du dich um einen Platz bewerben“, fasst Lucht zusammen. Vorausgegangen war eine Empfehlung der Wolfhager Wilhelm-Filchner-Schule. Sie arbeitet seit Jahren mit dem Internat zusammen.

281 Bewerber

Chinesisch lernen, ein Praktikum im Ausland: Lucht ist begeistert und zögert nicht. Zwei Tage später schickt er die Bewerbung ab. Er ist nicht der einzige. 281 Jugendliche haben sich beworben. Am Ende des Auswahlverfahrens bleiben 64 übrig. Die erste Hürde: der Intelligenztest. Lucht hat ein gutes Gefühl. Er kommt weiter. Sein Ergebnis erfährt er nicht. In der zweiten Runde geht es um soziale Kompetenzen. Lucht experimentiert, leitet eine Diskussion und überzeugt im Gespräch mit der Auswahlkommission. Wieder hat er ein gutes Gefühl. „Ich kann mich selbst gut einschätzen“, sagt er. Geschafft. Lucht ist dabei. Auf geht’s in die Oberstufe. Für Schulgebühren, Bücherpauschale und Heimreisen erhält er ein Stipendium der Herbert-Quandt-Stiftung.

Gitarre spielen, ringen, Fußball, Freunde treffen: Lucht ist auf dem Boden geblieben. Auch wenn ihm „in der Schule immer alles ein wenig zugeflogen“ ist. Schon in der Grundschule fällt er durch seine sehr guten Leistungen auf, kann eine Klasse überspringen. Aber er will nicht. „Die Klasse, die Freunde waren mir wichtiger“, sagt er.

Jetzt geht er zum ersten Mal einen anderen Weg als seine Mitschüler. Lucht wird ernst: „Ich bin nicht ortsgebunden. Ich bin bereit wegzugehen“, sagt er junge Mann.

Mit seinen 16 Jahren ist er damit zu einem Schritt bereit, der manchem Berufseinsteiger schwer fällt. Sein Antrieb: „Ich möchte so viel wie möglich aus mir machen“. Sein größter Wunsch: Ein Studium an der amerikanischen Elite-Universität Harvard.

Aber das ist für Samuel Lucht derzeit weit weg. In den nächsten Wochen will er vor allem eines: Raus und Freunde treffen.

Von Anke Laumann

Quelle: HNA

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