Professor Wilfried Härle zu Gast in Frielendorf

Evangelischen Forum ging der Frage nach dem Bösen in der Schöpfung nach

Erläuterte die Hintergründe zum Tod Dietrich Boenhoeffers: Professor Wilfried Härle war zu Gast in Frielendorf. Foto: Rose

Frielendorf. Die Lust, anderen etwas kaputt zu machen, beginnt schon im Sandkasten: Davon ist Prof. Dr. Wilfried Härle, Professor für Systematische Theologie an der Universität Heidelberg, überzeugt.

„Wie kommt das Böse in Gottes gute Schöpfung?" - dieser Frage spürte der Theologe in Frielendorf nach - kaum reichten die Stühle im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Eingeladen worden war Härle vom Evangelischen Forum Schwalm-Eder.

Die Fragestellung beleuchtete er vor dem Hintergrund der Hinrichtung Dietrich Boenhoeffers, die exakt 70 Jahre zurück liegt. In seinem Vortrag rückte Härle auch Bonhoeffers politischen Widerstand in den Mittelpunkt. Der Schöpfer selbst sage über die von Gott erschaffene Welt, dass sie gut sei. Der Philosoph Leibnitz relativiere die Sicht: „Die Welt ist ein Gesamtzusammenhang.“

Das Böse sei kein Teil des Schöpfungswerkes - hier verwies der Theologe auf die beiden Schöpfungserzählungen - gleichwohl gebe es aber, etwa im Garten Eden, die Möglichkeit der Versuchung. Allein der Satz „... und sie waren beide nackt“ (gemeint sind Adam und Eva), habe bemerkenswerten Tiefgang. „Die Beziehung zwischen beiden ist ungestört.“ Gottes Rat, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen, sei nicht als Verbot, sondern als fürsorgliche Warnung zu verstehen. „Aber bereits im Garten Eden taucht das Böse als eine Möglichkeit auf“, erklärte Härle.

Die Schlange sei die versinnbildliche Verführung zum Misstrauen - „wer misstraut, verliert den Glauben an Gott und dann geschieht Sünde“. Gott sei jedoch nicht der Urheber der Sünde. Schon Aristoteles habe gesagt: „Das Wesen des Bösen ist der Drang des Menschen, mehr haben zu wollen.“ Das Böse resultiere aus einer Wahl- und Entscheidungsmöglichkeit.

„Das Böse ist der Preis der menschlichen Freiheit, es gehört zum Menschsein dazu“, sagte der Theologe. Doch wie solle man auf das Böse reagieren? „Es zunächst erkennen und anerkennen“, erklärte der Professor. Reue zeigen und um eine Entschuldigung bitten. Auch gehöre die Bereitschaft dazu, selbst zu vergeben. Anderen vergeben konnte wohl auch Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April 1945 in Flossenbürg durch den Strang hingerichtet wurde. Aus Aufzeichnungen eines Mitarbeiters des Konzentrationslagers geht hervor: „Ich habe noch nie einen so Gott ergebenen, freundlichen Menschen kennen gelernt.“

Bonhoeffer wuchs in einer kirchenfernen Familie auf, der Vater war Neurologe, die Mutter Lehrerin. „Er wollte unter all seinen Geschwistern anerkannt werden. Deshalb studierte er Theologie“, erklärte Härle. Stationen lenkten ihn nach Tübingen, Rom, Berlin und Barcelona.

In der NS-Zeit vertrat er unter anderem die provokante These: „Wer sich von der bekennenden Kirche trennt, trennt sich vom Heil.“ Unter dem Einfluss des Regimes spaltete sich die Kirche, Bonhoeffer ging in den politischen Widerstand. Er sprach sich sogar dafür aus, selbst Hitler töten zu wollen, erklärte jedoch, dass er dann vorher aus der Kirche austrete.

1943 wurden seine Aktivitäten bekannt, Bonhoeffer verhaftet. „Er wurde nicht erschossen - das war der Soldatentod. Er wurde gehängt, die Strafe für Verräter. Nackt. Und sein Leichnam danach verbrannt.“

Quelle: HNA

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