Im Kulturhaus Synagoge war das Kabarett „Herrenzimmer“ zu erleben

Böser Wolf als Pädagoge

Vergnügen mit Kabarett: Das „Herrenzimmer“ mit (von links) Gerd Dahmen, Wolfgang Weigand, Bernd Kaun und Markus Zosel am Flügel klärte das Gudensberger Publikum über die Märchen und das Leben der Brüder Grimm auf. Foto:  Eberlein

Gudensberg. Um die Brüder Grimm und ihre Märchen drehte sich alles am Samstagabend im Kulturhaus Synagoge. Zu Gast war das Kabarett „Herrenzimmer“ mit dem Programm „So leben sie noch heute“.

Genau hinhören, genau hinsehen und lachen – so lautete die Aufforderung der vier Kabarettisten Gerd Dahmen, Bernd Kaun, Wolfgang Weigand und Markus Zosel an ihr Publikum, und von allem gab es eine gehörige Portion. In ihrem etwas anderen Grimm-Programm ging es eben nicht einfach nur um Schneewittchen, den bösen Wolf, Rapunzel und Co.. Die vier Männer beleuchteten ebenso das Leben und Wirken von Jakob und Wilhelm Grimm.

Mal in Prosa, mal gereimt und mal gesungen, offenbarten sie den Zuschauern so manch vermeintlich wahre Geschichte hinter der Geschichte. Sie entführten das Publikum unter anderem in den deutschen Wald – die Sehnsuchtslandschaft der Romantiker – wo die bösen Räuber hausen, bis sie auf die Bremer Stadtmusikanten trafen und sich kleine Kinder verlaufen, weil sie noch kein GPS hatten.

Auch sei es in Wahrheit gar nicht so einfach, dem Rotkäppchen etwas vorzumachen. Da könne der böse Wolf noch so viele Schlafhauben tragen und der Wald noch so finster sein. Und dass der böse Wolf auch eine pädagogische Funktion übernehmen kann, zeigten sie an dem Beispiel der Sieben Geißlein.

Die verzogenen Gören, denen die väterliche Hand fehle, weil der Bock mal eben einen Job als Maskottchen beim ersten FC Köln bekommen hat, und dadurch auf nix mehr Bock habe, seien durch einen gehörigen Schreck, den ihnen der böse Wolf verpasste, doch noch zu wertvollen Mitgliedern der Gesellschaft geworden.

Märchenprinz in der Provinz

Die Vier unterhielten die Zuschauer mit musikalischen Abwandlungen, wie dem Grimm-Inal-Tango und dem Schlager „Beiß nicht gleich in jeden Apfel“, denn der könnte vergiftet sein und schickten den Märchenprinzen der Band „Erste Allgemeine Verunsicherung“ in die Provinz. „Es war eine gelungene Mischung aus Esprit, Witz und Ernst“, sagte Monika Faupel vom Kulturbüro der Stadt Gudensberg zum Abschluss der Veranstaltung.

Dem stimmte das Publikum vollends zu und bekam zum Ende des Abends noch einen kleinen Vorgeschmack auf das neue Programm des Herrenzimmers. 2014 wird sich alles um die „Stunde Null“ drehen. „In ‚Und der Himmel über uns’ lassen wir die Adenauer-Ära wieder aufleben“, kündigte Bernd Kaun an.

Von Christl Eberlein

Quelle: HNA

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