Spaziergänger fanden Bolle:

Staffordshire im Wald ausgesetzt: Tier entkam nur knapp dem Tod

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Er ist jetzt in guten Händen: Der Staffordshire Terrier Bolle, hier mit der stellvertretenden Tierheimleiterin Nicole Reubert, lebt im Tierheim Beuern, bis er eine neue Bleibe gefunden hat.

Beuern/Bad Zwesten. Bolle hätte sterben können. Dass der 10 Monate alte Amerikanische Staffordshire Terrier noch lebt, ist einem Zufall zu verdanken: Spaziergänger aus Bad Zwesten haben ihn kürzlich in einem Waldstück zwischen Bad Zwesten und Bergfreiheit gefunden und ins Tierheim in Beuern gebracht.

Der Rüde war ohne Halsband mit einer grünen flexiblen Leine an einen Baum angebunden. Bei jeder Bewegung des Tiers zog sich die Halsschlinge weiter zusammen. „Der Hund hätte sich selbst erdrosseln können“, sagt Mandy Lindner, 2. Vorsitzende des Tierheim-Trägervereins „Ein Heim für Tiere“.

„Es ist sehr ungewöhnlich, einen Hund mitten im Wald auszusetzen“, erläutert Lindner. Normalerweise würden Tiere eher an viel befahrenen Straßen oder sogar direkt am Tierheim ausgesetzt. „Im Wald ist das Risiko größer, dass das Tier nicht rechtzeitig entdeckt wird“, erklärt Lindner. Doch Bolle hatte Glück: Er habe maximal ein bis zwei Tage allein im Wald gesessen, schätzt Lindner. „Er war ziemlich ausgehungert.“

Hohe Kosten 

Jetzt sucht Bolle ein neues Zuhause - aber das könnte schwierig werden, fürchtet Lindner. Denn Staffordshire Terrier sind Listenhunde: Sie werden als gefährlich oder potenziell gefährlich eingestuft. Wer sich einen solchen Hund zulegt, muss unter Umständen mit hohen Kosten rechnen. Denn viele Kommunen im Schwalm-Eder-Kreis erheben zusätzliche Steuern für diese Hunde - mehrere hundert Euro im Jahr können da anfallen. Hinzu kommen Wesenstest und Sachkundeprüfung. Hierfür werden nochmal um die 400 Euro fällig.

Neben Bolle wartet auch Renja, eine zehn Monate alte Staffordshire-Hündin, auf ihre Vermittlung. Nicht nur die Kosten schrecken Interessenten ab - viele haben auch Vorurteile gegenüber Listenhunden, sagt Lindner. Doch die seien meist unberechtigt. „Listenhunde unterscheiden sich charakterlich nicht grundsätzlich von anderen Hunden“, sagt Lindner. „Diese Hunde sind für jeden geeignet, auch für Familien mit Kindern.“ Allerdings sollten sich die Halter entweder schon gut mit der Rasse auskennen oder bereit sein, sich damit auseinanderzusetzen. „Staffordshire Terrier wie Bolle sind Kraftpakete, die gefordert werden wollen. Sie brauchen eine Aufgabe“, erklärt Lindner.

Bis Bolle neue Besitzer gefunden hat, hofft das Tierheim Beuern auf Unterstützung von Freiwilligen, die mit Bolle Gassi gehen, ihn streicheln oder auch für ihn spenden. (jul)

• Kontakt: Tel. 05662/6482, tierheim-beuern.com

Quelle: HNA

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