Wieder Ärger um Mehrfamilienhäuser: Borkener Mieter haben Angst vor Stromsperre

Der Strom soll abgestellt werden: Um die Wohnblocks im Scheibenweg und in der Habichtswaldstraße in Borken gibt es immer wieder Ärger. Archivfoto: Dellit

Borken. Es soll kälter werden in den nächsten Tagen und Nächten. Eigentlich ist das für die Mieter der 16 Mehrfamilienhäuser im Borkener Scheibenweg und in der Habichtswaldstraße kein Problem. Sie würden einfach die Heizung anstellen, wenn es ihnen zu kalt wird.

Doch jetzt befürchten einige der Mieter, dass das ab Montag nicht mehr möglich sein wird. Denn ein Hinweisschild des Stromnetzbetreibers Energienetz Mitte (Tochter der EAM) kündigt an, dass der Strom dann abgestellt werden soll. Davon betroffen wären in den insgesamt 96 Wohnungen, von denen 50 nicht bewohnt seien, auch Familien mit kleinen Kindern, berichten Mieter.

Um die Wohnblocks hatte es in der Vergangenheit immer wieder Ärger wegen Strom- und Gassperren gegeben (wir berichteten). Die IBB Hausverwaltung mit Sitz in Kassel hatte im Mai die Verwaltung übernommen und wollte alles in Ordnung bringen, sagte damals Jan Koschella, einer der Geschäftsführer.

Darauf hofften auch die Mieter. „Es ist aber nicht besser geworden“, sagt Andrè Vogel, Mieter in Borken. Er überlege nun, die Miete einzubehalten, wenn der Strom abgestellt werde. Denn dann funktionierten das Licht im Treppenhaus und vor allem die Heizungen nicht mehr. Er habe auch schon überlegt auszuziehen, doch sei es schwierig, in Borken ein Wohnung zu finden. „Wir sitzen hier fest“, sagt er.

Und tatsächlich: Fünf Monate später sagt Jan Koschella von IBB, dass das alles gar nicht so einfach sei. Denn 90 Prozent der Mieter zahlten keine Miete. Einige seien sogar seit 2009 im Rückstand. Die IBB habe bereits 15 fristlose Kündigungen für die Objekte in Borken und Wabern ausgesprochen, doch nur zwei der Mieter hätten überhaupt darauf reagiert.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Sozialamt gestalte sich kompliziert. „Dennoch versuchen wir, uns jeden Tag für die Mieter einzusetzen“, betont Koschella. Und er habe auch Verständnis für die Mieter, die sich nun wegen der Stromzufuhr sorgen. „Es wäre aber auch schön, wenn die Mieter mal an uns denken würden“, betont er.

„Wir versuchen seit Monaten den Anbieter zu wechseln, wollen zur EAM“, so der Verwalter. Bei den meisten der Objekte habe der Wechsel reibungslos geklappt. Bei einigen Gebäuden gestalte es sich schwieriger, weil die Eon steif und unflexibel reagiere.

Außerdem habe es bei der Vergabe von Zählernummern Probleme gegeben, und das habe zu der Androhung der Stromabstellung geführt. Er habe umgehend zum Netzbetreiber Kontakt aufgenommen, sagte Koschella, es fänden Gespräche statt. Falls doch abgestellt werde, wäre nur der Hausflur betroffen, fügt er an.

Das sagt die Energienetz Mitte: Netzbetreiber wird von Lieferant beauftragt

Auf HNA-Nachfrage teilte die Energienetz Mitte, Tochter der EAM in Kassel, mit, dass sie als zuständiger Netzbetreiber vom aktuellen Stromlieferanten damit beauftragt worden sei, die Gemeinschafts-Stromzähler (etwa für Treppenhausbeleuchtung) in einigen der Häuser in Borken zu sperren. Dazu sei die Energienetz Mitte nach Beauftragung durch den Lieferanten vertraglich verpflichtet, betont EAM-Pressesprecher Steffen Schulze. Zu Hintergründen, warum der aktuelle Lieferant die Stromversorgung eingestellt hat, könne man keine Auskunft geben. Es sei üblich, dass der Lieferant den Hausbesitzer über die Stromsperrung informiere. Die Energienetz Mitte habe vor der Sperrung die Information ausgehängt, damit die Mieter die Möglichkeit haben, die Sperrung zu vermeiden. Zur Sicherheit überprüft die EAM derzeit die Zuordnung der Zählerdaten. Solange die Überprüfung laufe, werde die Versorgung fortgesetzt.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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