Walter Schaub ergriff vor 40 Jahren in Bierlaune die Initiative und hob den Karnevalsverein aus der Taufe

Der Boss der Oelshäuser Narren

Sie holten den Karneval nach Oelshausen: Die Gründungsmitglieder Erich Kaczmarek, Heinz Studenroth, Wilhelm Mander, Eduard Gröger, Walter Schaub (von links) sind am Sonntag beim 40. Oelshäuser Karnevalsumzug wieder mit dabei. „La La Bumm“ rufen sie dann vom Nachbau eines ihrer Originalwagen von einst. Foto: zhf

Oelshausen. Er war gerade einmal 13 Jahre alt, als vor gut vier Jahrzehnten im Gasthaus Pflug Geschichte geschrieben wurde. Was die Männer am Stammtisch ausgeheckt und mit ihren Unterschriften auf der Rückpappe des Notizblocks ihrer Wirtin besiegelt haben, scheint Klaus Gröger schon damals geahnt zu haben.

Bis heute hält er das Schriftstück in Ehren, auf dem auch die Namen von Erich Kaczmarek, Wilhelm Mander, Heinz Studenroth, Eduard Gröger und Walter Schaub stehen. „ÖCV – Oelshausen den 21.2.1971“ ist darauf in dicken Lettern zu lesen, der Oelshäuser Karnevalsverein war geboren.

Schaub wird von seinen Kollegen noch heute „der Boss“ genannt. Er nämlich war es, der einst am Stammtisch aufgestanden war und nach einer Spaßtour mit offenem Wagen durchs Dorf beim anschließenden Umtrunk in der Stammkneipe ausrief: „Wir könnten ja einen Karnevalsverein gründen.“

Gasthaus Pflug rappelvoll

Einige Wochen passierte nichts, doch die Unterschriften auf dem Block der Wirtin zeigten Wirkung. „Wir mussten aktiv werden“, erinnert sich Schaub. „Am 30. März 1971 trafen wir uns zur Gründungsversammlung, ein Jahr später fand die erste Fremdensitzung statt.“ Die wurde zum Straßenfeger, wie der 80-jährige Eduard Gröger noch gut weiß: „Ich erinnere mich an die leeren Straßen und die Stille im Ort, als ich mich auf den Weg machte, wäre aber nie auf die Idee gekommen, dass alle gut gelaunt bei unserer Sitzung im rappelvollen Gasthaus Pflug waren.“

Überwältigt vom Erfolg, beschlossen die jungen Jecken, ihre tollen Tage um einen Festzug zu erweitern. Gesagt, getan. Zehn kunterbunte Wagen und drei Tanzgruppen zogen schon im Folgejahr durchs Dorf, was eine echte Herausforderung war. „Die Bauern wollten uns ihre Schlepper zum Ziehen der Wagen nicht geben“, erinnert sich Schaub, was sich mittlerweile aber glücklicherweise geändert habe. „Jetzt will jeder dabei sein.“ So hämmern, sägen und schrauben die Oelshäuser seit Wochen in Garagen und Scheunen an ihren Wagen, damit die Besucher wieder etwas zu sehen bekommen. Der Oelshäuser Karnevalsumzug hat sich längst zum Publikumsmagneten gemausert, und wenn er sich am Sonntag zum 40. Mal durch den Zierenberger Stadtteil schlängelt, sind auch die alten Herren dabei, ohne die es den Oelshäuser Karneval vielleicht nie gegeben hätte. „Wir haben anhand alter Fotos einen der ersten Vorstandswagen nachgebaut“, sagt der langjährige ÖCV-Vorsitzende Walter Schaub. Ab 14 Uhr will er mit seinen Kollegen das berühmte „La La Bumm“ durch den Ort rufen, wie auch Klaus Gröger. Die Gründungsurkunde vom 21.2.1971 aber lässt er lieber Zuhause, will sie weiter in Ehren halten, denn ohne sie wäre Oelshausen nicht das, was es heute ist.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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