72-Jähriger boxt sich durchs Leben

Nur knapp überlebt: Der Sport half ihm wieder auf die Beine

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Ständig in Bewegung: Norbert Ritter geht zweimal die Woche zum Kickboxen in ein Fitnessstudio in Homberg. Dort ist er mit Abstand der Älteste und trainiert zusammen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Foto: Ziemann

Malsfeld. Als Norbert Ritter aus Mosheim vor 22 Jahren einen schweren Verkehrsunfall nur knapp überlebte, konnte sich niemand vorstellen, dass der heute 72-Jährige wieder komplett fit werden würde. Doch er rappelte sich hoch - und zwar durch Sport.

„Ich war damals körperlich sehr eingeschränkt“, sagt Ritter, dessen fröhliche Miene sich bei diesem Thema sofort verdunkelt. „Durch den Sport ist es besser geworden.“

Bis heute ist Sport das Wichtigste in seinem Leben, wie der Rentner sagt. Und diese Einstellung lebt er im Alltag voll aus: montags geht er zum Zumba-Tanzkurs (dort ist er der einzige Mann), mittwochs zum Tauchsport, donnerstags zum Aerobic und zweimal die Woche ist Kickboxen angesagt. Auch die Wochenenden sind verplant, denn da ist Ritter häufig als Kampfrichter tätig.

Bei all diesen Kursen und Sportarten ist der 72-Jährige mit Abstand der älteste Teilnehmer. Beim Kickboxen trainiert er zum Beispiel zusammen mit über 50 Jahre jüngeren Sportlern. Aber gerade das passt ihm gut, denn der Rentner kann mit Gleichaltrigen so gar nichts anfangen.

„Viele in meinem Alter gehen abends nur noch in die Kneipe, hören Musikantenstadl und unterhalten sich über Krankheiten“, sagt Norbert Ritter schmunzelnd. „Ich rede wie die Jugend, höre dieselbe Musik und verstehe mich einfach besser mit Jüngeren.“ Und wenn Norbert Ritter seine vielen unterschiedlichen Aktivitäten aufzählt, kann sich das auch jeder sofort vorstellen.

Den schwarzen Gürtel im Kickboxen machte er mit 67 Jahren, seinen Tauchschein mit 65 Jahren. Seitdem fliegt er regelmäßig mit Freunden nach Ägypten, um dort das Rote Meer in 20 Metern Tiefe zu erkunden.

Doch der Mosheimer kennt auch seine Grenzen: „Bis vor Kurzem bin ich noch Motorrad gefahren, das habe ich aber jetzt verkauft“, sagt der ehemalige VW-Arbeiter. „Ich bin einfach nicht mehr so reaktionsschnell wie früher und will es nicht drauf ankommen lassen.“

2012 schlug das Schicksal erneut zu, Norbert Ritter erkrankte an Krebs. Doch auch diesen Rückschlag überwand er, wurde wieder gesund und ist heute wieder topfit. „Nach der Krebs-Operation hat mir der Sport geholfen, psychisch und körperlich wieder auf die Beine zu kommen“, erzählt Ritter. Möglichst viele Jahre will er noch weiterhin Sport machen. „Früher wollte ich mit dem Kickboxen aufhören, wenn ich 65 bin, dann mit 70 und jetzt ist meine Grenze 75.“ Ob er dann wirklich aufhört, stehe aber noch in den Sternen.

Neben dem Sport ist seine Familie der wichtigste Bestandteil seines Lebens. Vier Kinder und vier Enkelkinder halten den 72-Jährigen jung.

Von Theresa Ziemann

Quelle: HNA

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