Boykott in Filmbranche: Hohe Leihmieten für neuen Avengers-Film

Das Cine-Royal in Fritzlar: Hier wird der neue Film „Avengers: Age of Ultron“ gezeigt, weil er laut Inhaber Matthias Walther schon länger eingeplant sei. Viele andere Betreiber von Kleinstadtkinos boykottieren den Film ganz.

Schwalmstadt/Fritzlar - Kino-Betreiber wehren sich gegen eine unerwartete Preiserhöhung durch den Disney-Verleih. Auf 686 Kinoleinwänden ist der neue Film „Avengers: Age of Ultron" des Disney-Konzerns nach Angaben von Kinobetreibern deutschlandweit nicht gezeigt worden.

Der Grund: Der Disney-Konzern forderte für die Kinos unerwartet 53 Prozent des Eintrittspreises. Für Kleinstadtkinos waren bislang 47,7 Prozent üblich.

Das Burg-Theater in Schwalmstadt zeigt den Film zum Start nicht. „Wir warten das Wochenende und auch die Reaktion vom Disney-Verleih ab“, sagt Kinobetreiber Peter Unger. Die Erhöhung mache sicherlich etwas aus. Über die Zukunft wolle er sich aber erst Gedanken machen, wenn feststeht, wie es weitergeht. „Jetzt kommt es darauf an, ob die anderen Filmverleihe nachziehen oder bei den 47,7 Prozent bleiben“, erklärt Unger. Es sei nicht in Ordnung, dass Disney die Leihmieten einfach ohne Diskussionen erhöht hat. Der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) wolle sich nun um die Verhandlungen kümmern, sagt Unger.

Zwei Faktoren haben erst kürzlich die Kosten für Kinos in die Höhe getrieben: Die Umstellung auf die Digitaltechnik - nach Angaben des HDF waren das Kosten zwischen 70 000 und 110 000 Euro pro Leinwand, je nachdem, ob 3D-Technik eingebaut wurde. Auch die Einführung des Mindestlohns belaste die Kinos deutlich, sagt Andreas Kramer vom HDF. Gerade auf dem Land seien die Kinokunden sehr sensibel für Preiserhöhungen. Der durchschnittliche Kinoeintrittspreis lag 2014 bei 8,05 Euro, im Jahr 2009 waren es noch 6,67 Euro.

Das Cine-Royal in Fritzlar zeigt den Avengers-Film, da er schon länger beim Filmverleih gebucht war, teilt Inhaber Matthias Walther mit. „Es ist schwer einen eingeplanten Film rauszuwerfen. Vor allem kleine Kinos, die mit dem Karten-Vorverkauf schon begonnen hatten, können nur schwer zurückrudern.“ Da eine Erhöhung um fünf Prozent den Gewinn für die Kinos deutlich vermindere, könne auf die Kunden eine Preiserhöhung zukommen. Walther warte nun aber die Verhandlungen ab, erst dann könne er für die Zukunft planen.

Laut Artur Jung, Chefredakteur der Zeitschrift Cinema, werde Disney den Boykott womöglich kaum bemerken. „Auf dem Land wird nicht der große Umsatz für die Verleiher gemacht“, sagt Jung. (rro/dpa)

Quelle: HNA

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