Kreisbrandinspektor zu Feuer in Zimmersrode

"Rauch gibt dem Menschen nicht die geringste Chance "

Zimmersrode. Nach dem Brand in Zimmersrode mit zwei toten Kindern und einer schwerverletzten Frau bleiben viele Fragen offen. Wir sprachen mit Kreisbrandinspektor Werner Bähr.

Die Feuerwehr hat nur 14 Minuten nach der Alarmierung gebraucht, um auszurücken, die Frau und die Kinder aus dem Haus zu befreien und sie den Rettungsdiensten zu übergeben. Und dennoch kam jede Hilfe zu spät. Wie kann das sein? 

Werner Bähr: Die Neuentaler Wehr hat wirklich sehr sehr schnell reagiert. Aber in einem so stark verrauchten Gebäude zählt jede Minute, ja jede Sekunde.

Der Bewohner im Obergeschoss hat den Rauch entdeckt und sofort die Feuerwehr alarmiert. Die Abläufe hätten nicht schneller sein können. 

Bähr: Nein. Und es war gut, dass der Mann sofort geschaltet und die 112 gewählt hat. Aber wenn das Treppenhaus da schon verqualmt war, hatte er nur wenige Chancen, der Frau und den Kindern im Erdgeschoss zu helfen.

Wieso ist die Rauchentwicklung eigentlich so gefährlich? 

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Bähr: Heißer Brandrauch lässt dem Menschen nicht die geringste Chance. Denn wenn man drei oder vier Mal heißen Qualm einatmet, gibt das Hirn dem Körper den Befehl, sofort die Atmung einzustellen. Es ist ein Reflex, gegen den kein Gedanke hilft. Bevor die Lunge verbrennt, stellt der Körper die Atemfunktion ein.

Deshalb sind Rauchmelder so wichtig. 

Bähr: Genau. Rauchmelder sind bestimmt keine Wundermittel, aber sie schlagen lauten Alarm. Vor allem nachts ist das wichtig, denn während der Erholungsphase im Schlaf ist die Riechfunktion ausgesetzt. Man bemerkt die Bedrohung nicht.

In Zimmersrode soll es aber Rauchmelder gegeben haben, die sogar noch während des Einsatzes gepiept haben sollen.

Bähr: Ich selbst kann das nicht bestätigen. Auch diese Frage muss im Zuge der Ermittlungen geklärt werden.

Im Brandfall also Nerven behalten, die 112 wählen und Luft in verqualmte Räume lassen.

Bähr. Ja. Aber die Nerven zu behalten, ist selbst für ausgebildete Feuerwehrleute eine Herausforderung. Tatsächlich aber sterben bei einem Brand nur die wenigsten Menschen an Verbrennungen. 80 bis 95 Prozent aller Brandopfer kommen durch Rauchvergiftungen ums Leben. Deshalb ist es so wichtig, vor allem eines zu machen, wenn es qualmt: Fenster auf.

Wohnungsbrand in Zimmersrode

Quelle: HNA

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