Buchen sterben noch heute

Brandkatastrophe im Jahre 1996 am Schreckenberg zerstörte die Natur

Der Große Schreckenberg: Zierenberg schmiegt sich an die Ausläufer der 460 Meter hohen Erhebung. Links, oberhalb der Kirchturmspitze deuten sich im Wald die Lücken an, die die beiden Feuer im April vor 18 Jahren in den Berg gefressen haben. Fotos: Thon

Das Wolfhager Land ist vor allem geprägt von seiner hügeligen Landschaft. In einer Serie wollen wir einzelne und besonders charakteristische Berge und ihre Bedeutung für die Menschen in der Region vorstellen. Heute widmen wir uns dem Hausberg der Zierenberger - dem Schreckenberg.

Zierenberg. Es war einer der größten Waldbrände im Wolfhager Land. An zwei Tagen fraß sich das Feuer Ende April 1996 über die Hänge des 460 Meter hohen Großen Schreckenbergs. Die Spuren der Katastrophe, die zündelnde Kinder ausgelöst und bei der um die sechs Hektar Forst vernichtet worden waren, sind noch heute sichtbar. Im Wald oberhalb Zierenbergs klaffen Lücken, vereinzelt heben sich silbergraue Buchenstämme gegen die junge Vegetation ab, die sich auf der verkohlten Erde wieder angesiedelt hat.

„Noch vor zehn Jahren war der Südhang kahl“, sagt Zierenbergs Revierförster Peter Treude. Das Feuer hatte sich bodennah ausgebreitet. Im April war das Gras noch trocken, es brannte wie Zunder. Über 200 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Auch einzelne Bäume wurden teilweise ein Raub der Flammen. Buchen, die nicht unmittelbar vernichtet wurden, zeigten Jahre später Schäden. „Für die Buche ist ein Waldbrand eine Katastrophe“, sagt Treude. Sie könne die enorme Hitze nicht tolerieren. Die Wachstumsschicht – das Kambium – unterhalb der verhältnismäßig dünnen Borke werde zerstört. Oft dauere es Jahre, bis die Buchen eingehen.

Buchen sterben noch heute

Die Natur erholt sich: Vor etwa zehn Jahren ließ Revierförster Peter Treude Kirschen pflanzen. Sie entwickeln sich gut. Inzwischen gibt es auch Birken und Eschen. Dagegen zeigen die Buchen im Hintergrund ein Schadensbild, das auf die große Hitze zurückzuführen ist.

Der Prozess des Sterbens lässt sich auch heute noch verfolgen. Östlich der Blauen Steine stehen dickstämmige, zwischen 150 und 200 Jahre alte Buchen, deren trockene und nahezu laubfreien Kronen in den Himmel ragen. Die Borke ist vom Stamm abgeplatzt, Schädlinge haben leichtes Spiel.

Nach dem Waldbrand ergab sich für die Forstleute aber auch eine Chance. Vor zehn Jahren pflanzten sie 100 Wildkirschen. Die haben sich bis jetzt prächtig entwickelt, da sie Platz haben und das Licht nicht abgeschirmt wird von ausladenden Buchen. Auch Birken haben sich ausgesamt und Eschen. Junge Buchen streben ebenfalls wieder auf. Sie wachsen allerdings deutlich langsamer als die Edelhölzer.

Die in den ersten Jahren nach einem Brand lichtere Waldstruktur sowie kurzfristig bessere Nährstoffversorgung begünstigen die Lebensbedingungen für viele Tiere und Pflanzen; die Artenvielfalt nimmt zu. Bei einem Feuer würden zahlreiche Nährstoffe mobilisiert, sagt Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen. Sie lägen in solch einer großen Menge vor, dass die Närstoffe gar nicht alle umgesetzt werden können. Letztlich würden die Nährstoffe mit den Niederschlägen fortgespült.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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