Handwerk, Tracht, Tänze: Lebendiges Museum in Ziegenhain lockte Besucher an

Trachten in Fülle: Höhepunkt des Tages war das Schappeln eines Brautpaares (rechts oben). Braut Sandra Wagner wurde von Annemarie Laudenbach (links) und Regina Bätz-Eiffert eingekleidet. Monika Dörrbecker (unten rechts) zeigte Töpferhandwerk. Fotos:  Rose

Schwalmstadt. Brauchtum zum Anfassen – das war am Sonntag das Motto im Museum der Schwalm in Ziegenhain. Zum Lebendigen Museum hatte der Schwälmer Heimatbund zusammen mit der Tanz- und Trachtengruppe Loshausen eingeladen.

Bis 14 Uhr zählten die Helfer schon knapp 500 Besucher. Zu bewundern gab es neben alter Handwerkskunst vor allem schmucke Trachten. Der Verein war mit 60 Mitgliedern gekommen, etwa 50 trugen Schwälmer Tracht.

Bereits im Erdgeschoss konnte man traditionelle Techniken bewundern. Töpferin Monika Dörrbecker saß an einer etwa 260 Jahre alten Scheibe und erklärte: „Nicht umsonst sagt man ,mit Hand und Fuß‘. Viele Sprichwörter haben ihren Ursprung im Handwerk.“ Während auf der Scheibe die Schale ihre Form bekommt, musste unten mit den Füßen angetrieben werden. Knifflig ging es auch bei Schuhmacher Helmut Haber zu, der das Anfertigen der aufwändigen Schwälmer Schuhe zeigte. Unter Detlef Baumgart Händen ratterte ein alter Webstuhl.

Im Obergeschoss bewunderten die Besucher die Schritte vom Flachs bis zum fertigen Leinen. Veredelt wurde der Stoff zum Teil mit filigraner Weißstickerei. Im Lüderkeller warteten Schwälmer Köstlichkeiten wie Ahle Wurst, im Trauzimmer bedienten die Damen des Singkreises die Gäste. Knapp 30 Kuchen und Torten waren extra für den Tag vorbereitet worden.

Fotostrecke: Lebendiges Museum

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Höhepunkt war neben Schwälmer Tänzen das Schappeln eines Brautpaares. „Das ist eine absolute Premiere“, freute sich Günter Laudenbach von der Trachtengruppe. Und so wurde aus Sandra Wagner und Markus Dörrbecker binnen einer guten Stunde „ein stolzes Paar“. Selbst legten die Zukünftigen nicht Hand an: Braut und Bräutigam wurden von Regina Bätz-Eiffert und Annemarie Laudenbach angekleidet. Unter anderem erklärte Laudenbach, was die Braut auf dem Kopf trägt: „Der Schnatz wird richtig fest geschnürt. Danach wird ein weißes Wäscheband darum gelegt und mit Schappelnadeln festgesteckt – die Braut hat heute Abend garantiert Kopfschmerzen.“ Gespannt schauten die Besucher zu, fotografierten oder zählten neugierig die Schwälmer Röcke. Als der stolze Schmuck komplett angelegt war, wurden die Loshäuser mit viel Lob und Applaus belohnt.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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