Braunkohleabbau am Heiligenberg: Stadtarchiv gibt Dokumentation heraus

Dank für die Dokumentation: (von links) die Autoren Klaus Winter und Rolf Fröhlich, Bürgermeister Volker Steinmetz und Kornelia Dittmar vom Stadtarchiv. Foto: Schaake

Gensungen. Unter dem Heiligenberg wurde früher Braunkohle abgebaut - daran erinnert jetzt eine Dokumentation, die das Stadtarchiv Felsberg herausgibt.

Nach genau 399 Jahren endete im Sommer 1953 der Braunkohle-Abbau unter dem Heiligenberg. Dieses wichtige und spannende Kapitel Heimatgeschichte bleibt den nachfolgenden Generationen erhalten: Dank der Initiative des Stadtarchivs Felsberg ist eine 90 Seiten umfassende Dokumentation über die Zeche Heiligenberg erschienen.

Die Chronik ist eine Fleißarbeit, enthält sie doch viele bisher nicht bekannte Details. Rolf Fröhlich, Mirco Hansmann und Klaus Winter sind die Autoren. „Es gibt überhaupt keine Literatur zur Zeche Heiligenberg“, sagt Klaus Winter. Und Rolf Fröhlich ergänzt: „Eigentlich sind wir mit unserer Dokumentation viel zu spät.“ Viele Akten wurden vernichtet - etwa im Wirtschaftsarchiv Darmstadt. Dennoch wurden die Initiatoren fündig, gruben im Staatsarchiv Marburg, im Haupt-Staatsarchiv Wiesbaden, in der Murhardschen Bibliothek und im Henschel-Archiv viele Geschichten aus.

Fast alles war bis 1920 in altdeutscher Schrift verfasst. In mühevoller Kleinarbeit musste jedes Detail „übersetzt“ werden. „Es hat uns große Freude bereitet“, sagen die Autoren. Gern würden sie weiter forschen, „aber das wäre eine Geschichte ohne Ende“. Lob für die Fleißarbeit gab es von Bürgermeister Volker Steinmetz: „Es ist beeindruckend, wie Sie die Geschichte herausgeholt und dargestellt haben.“

Vom Entstehen der Braunkohle im subtropischen Klima vor 55 Millionen Jahren bis hin zu den Kartäuser Mönchen und den mit der Zeche verbundenen menschlichen Schicksalen reichen die Informationen.

Laut Klaus Winter wird vermutet, dass die Mönche ab 1200 die erste Kohle gefunden haben. Auch die Bedeutung der Heiligenberg-Kohle für die Wirtschaft in Kurhessen und die hervorragende Qualität des braunen Goldes aus dem Heiligenberg werden dargestellt. Man vermutet, dass heute noch etwa eine Million Tonnen Kohle unter dem 400 Meter hohen Heiligenberg ruhen.

120 Kumpel verloren Job

Glück auf - so lautet der Gruß der Bergleute. Wie muss ihnen zumute gewesen sein, als im Sommer 1953 das endgültige Aus kam? 120 Kumpel - darunter nach dem letzten Weltkrieg viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene - verloren ihren Arbeitsplatz. Aus Berichten unserer Zeitung geht hervor, wie heimische SPD-Politiker damals um den Erhalt der Zeche gekämpft haben. Vergeblich. Die Landesregierung lehnte einen 40 000 D-Mark Zuschuss ab. Das Geld wäre nötig gewesen, um einen neuen Wetterschacht zu bauen und ein neues Abbaugebiet zu erschließen. Später wurde eine Summe von einer Million Mark genannt, um die Zeche 20 Jahre weiter betreiben zu können. • Dokumentation zum Braunkohlenbergwerk Zeche Heiligenberg, erhältlich für 15,75 Euro im Stadtarchiv Felsberg, Poststraße 6 in Gensungen, Telefon 05662/408407, E-Mail: stadtarchiv@felsberg.de

Zeche in Zahlen:

1,136 Millionen Tonnen Braunkohle - laut Dokumentation die Gesamtfördermenge in mehreren Zeitabschnitten.

2 Kilometer mussten die Bergleute im Durchschnitt zu Fuß in den Stollen zurücklegen, um an den Arbeitsplatz zu kommen.

3 Schichten wurden Tag für Tag in der Zeche gefahren. Sie begannen um 6, 14 und 22 Uhr.

3,4 Tonnen Braunkohle täglich wurden in der Lokomobile von Henschel & Sohn verfeuert, um auf dem Zechengelände Strom und Wärme zu erzeugen. Diese Lokomobile war später in einem Sägewerk in Eiterhagen im Einsatz.

10 Pfennige mehr boten die Gemeinden des Edertals je Zentner Hausbrandkohle an, wenn man damit den Weiterbetrieb der Anfang der 1950er-Jahre bedrohten Zeche hätte erreichen können. Laut Bericht der Hessischen Nachrichten lehnte die Regierung dies ab.

50 Zentner Deputatkohle bekam jeder Bergmann der Zeche Heiligenberg pro Jahr.

55 Millionen Jahre muss man sich im Zusammenhang mit der Entstehung der heimischen Braunkohle zurückversetzen.

61 Bergleute holten im Jahre 1839 jeden Tag 5,2 Tonnen Kohle aus dem Berg - die größte Fördermenge in der Geschichte.

1300 Meter lang war die Seilbahn, mit der ab 1890 die Kohle von der Zeche zur Verladestation am Bahnhof transportiert wurde.

1400 Meter lang ist der Oscar-Stollen, in dem eine Grubenbahn fuhr. Oscar Robert Henschel (1899 - 1982) leitete das Kasseler Unternehmen, durch seinen Lokbau weltberühmt, von 1924 bis 1957.

1554 unterzeichnete Landgraf Philipp der Großmütige die Genehmigungsurkunde für den Kohleabbau unter dem Heiligenberg.

Von Manfred Schaake

Quelle: HNA

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