In der JVA Ziegenhain trainieren Insassen mit Mitgliedern vom Bridge Club Fritzlar das Kartenspiel

Mit Bridge fürs Leben lernen

Trainieren gemeinsam Bridge: (von links) Torsten Weimer, Torsten Skibbe, Marek Paluszak, Achim Mandel und Katharina Hildwein am Spieltisch. Fotos: Rose

Ziegenhain. Stich, Bedienen und Trumpf – wer schon einmal Skat oder Doppelkopf gespielt hat, kennt sich mit diesen Begriffen bestens aus. Auch beim Bridge spielen die Begriffe eine nicht ganz unwesentliche Rolle: Das Kartenspiel, das ursprünglich aus England kommt und unter anderem in Polen sehr beliebt ist, wird aktuell auch hinter den Ziegenhainer Gefängnismauern mit wachsender Begeisterung trainiert. Denn zwischen der JVA und dem Bridge Club Yarborough aus Fritzlar besteht eine neue Kooperation.

Der Sport- und Freizeitkoordinator der Anstalt, Marek Paluszak, fand in Torsten Skibbe den perfekten Partner, um das Training in dieser vom olympischen Komitee anerkannten Sportart in der JVA zu etablieren. Das Justizministerium unterstützt das Projekt finanziell. „Die Kurse sind nicht nur für Häftlinge, sondern auch für Menschen außerhalb der Anstalt, die das Kartenspiel lernen wollen“, erläutert Paluszak. Denn das Spiel sei bei weitem keine Glückssache. „Es ist anspruchsvoll und fordert das mathematische und analytische Denken“, ist der Sportlehrer überzeugt.

Paluszak hat ein klares Ziel vor Augen: „Es ist geplant, dass die Turniermannschaft vom SV Schloss Ziegenhain ab 2016 an Ligaspielen teilnimmt. Diese würden dann in der JVA ausgetragen.“

Der Ursprung des Spiels läge in England, erklärt Experte Torsten Skibbe, der seit vielen Jahren Bridge spielt: „Ich habe auf meinen Platz für das Referendariat gewartet und in der Zeit das Kartenspiel gelernt“, erzählt der Lehrer. 50 000 Menschen etwa spielten in Deutschland Bridge. Dabei unterscheide sich das Spielen auf Clubebene von dem in den Ligen. „Auf Clubebene ist die soziale Komponente stärker ausgeprägt, beim Wettkampfbridge steht die Strategie im Vordergrund.“

Auf den Partner einstellen

Was ihn an dem Spiel reize, sei vor allem die Interaktion. „Man muss sich auf seinen Partner einstellen, Regeln absprechen - das sind auch sekundäre Lernziele.“ In Holland und Israel – den Hochburgen des Bridge – würde das Training in der Hochbegabtenförderung eingesetzt. „Beim Bridge lernt man fürs Leben“, erläutert Skibbe. Spielen könne schlicht jeder, alters- und geschlechterunabhängig.

Nicht viel Vorwissen nötig

„Wer Vorwissen mitbringt braucht etwa acht Doppelstunden, um mitspielen zu können“, sagt der Trainer. Auch Torsten Weimer, Insasse und Vorsitzender des SV Schloss Ziegenhain, ist bereits vom Kartenvirus infiziert: „Das Training ist eine Abwechslung im Haftalltag und ich wollte unbedingt etwas für meinen Kopf tun“, erzählt er. Weimer, Paluszak und Skibbe hoffen, dass sich noch mehr Menschen finden, die sich für Bridge begeistern können.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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