Günther Treptow brillierte mit „Der Kontrabass“

Liebe und Hass: Günther Treptow begeistertedas Publikum im Vitos-Festsaal. Foto: zih

Bad Emstal. Eine Theateraufführung der besonderen Art erlebten am Montagabend im Festsaal der Merxhäuser Vitos-Klinik leider nur 50 Besucher.

Der Wiener Schauspieler Günther Treptow, seit 20 Jahren auch Regisseur der Klosterspiele Merxhausen, brillierte in dem von Patrick Süskind, bekannt auch durch seinen Bestsellerroman „Das Parfüm“, geschriebenen Einakter „Der Kontrabass.“

Was Günther Treptow als Vollblutschauspieler dabei fast eineinhalb Stunden auf die so genannten Bretter, die die Welt bedeuten brachte, war ein veritabler (wahrhaftiger) Neurosengarten eines Menschen wie Ich und Du. In seinen Monologen mit sich selbst sowie mit seinem geliebten und gleichzeitig auch gehassten in den Tonlagen E, A, D und G gestimmten Vier-Saiten-Instrument philosophierte und haderte Treptow in der Figur des zwar als Kontrabassist des Staatsorchesters verbeamteten, doch letztlich von allen verkannten und unbeachteten Künstlergenies. Schuld seines Misere auf dem dritten Pult im Orchestergraben, also ganz hinten, war nicht nur das schreckliche, unhandliche und unelegante Instrument, das er verachtend und doch auch in den höchsten Tönen lobte, sondern menschlich verständlich seine nicht erwiderte heiße Liebe zur Sängerin Sarah. Die davon natürlich nichts wusste.

Der gebeutelte Kontrabassist, fiktiv berauschend vom Alkohol, malte sich aus, wie er das Herz von Sarah gewinnen, ihre Aufmerksamkeit erhaschen könnte. Bei einer gemeinsamen Aufführung falsche Töne spielen, oder aufstehend und ihren Namen in die Welt schreien? Es blieben natürlich nur intime Gedankenspiele eines mit sich selbst und der ganzen Welt unzufriedenen, neurotischen, geizigen und einsamen Menschen, Musiker und Kulturbeamten. Der aber mit seinem Kummer und Selbstmitleid die Zuschauer, hin- und hergerissen zwischen Mitgefühl und Lachen, in die Abgründe unseres menschlichen Daseins führte. Sind wir nicht alle irgendwie Kontrabassisten auf dem dritten Pult im Leben?

Günther Treptow in der Rolle des nörgelnden, nachdenklichen und teilweise bissigen Staatsorchestermusikers zog alle Register seines Könnens und bescherte dem Publikum einen fantastischen Theaterabend. (zih)

Quelle: HNA

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