Trutzhainer Weberei Egelkraut hat edlen Stoff für ein Kunstprojekt angefertigt

Brokat aus echtem Gold

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Hier ist alles Gold, was glänzt: Weber und Inhaber Udo van der Kolk hat für eine Kirche in Holzwickede in Nordrhein-Westfalen dieses exklusive und teure Tuch aus purem Gold hergestellt.

Trutzhain. Dieser Tage kommt Udo van der Kolk beim Blick auf einen seiner vielen Webstühle regelmäßig ins Schwitzen. Denn der Inhaber der Weberei Egelkraut in Trutzhain hat einen besonderen Auftrag bekommen.

Nun sind ungewöhnliche Aufträge – etwa von Opern oder Kirchen – nichts besonderes für den ausgebildeten Weber. Der Wunsch zweier Künstler hat es dann aber doch in sich: Denn sie haben bei Udo van der Kolk einen Stoff aus Echtgold bestellt.

„Einen Stoff im Schuss gold zu weben, ist kein Problem. Aber auch noch die Kettfäden – das ist eine Herausforderung“, sagt van der Kolk. Bei dieser Webtechnik werden mindestens zwei Fadensysteme, der Kettfaden in Längs- und der Schussfaden in Querrichtung – rechtwinklig verkreuzt. Verarbeitet wurde der Goldfaden in einem Rokokomuster.

Goldbrokat für die Kirche

Der fertige Goldbrokat soll später zwischen zwei Stelen in der Kirche in Holzwickede gespannt werden – dort, wo einst ein Hochaltar stand. „Da der Stoff vollständig verspannt wird, muss er absolut fehlerfrei sein“, sagt van der Kolk. Den Goldfaden hat extra eine kleine Manufaktur hergestellt. Grundlage sind Baumwollfäden, die mit einer dünnen Kupferfolie umwickelt werden. „Danach wandern sie in ein Bad aus geschmolzenem Gold“, erläutert der Weber.

Lederne Tapeten als Imitat

In der Renaissance und im Barock waren diese Stoffe zur Wandbespannung äußerst beliebt, aber eben für viele auch unerschwinglich. Diese Exklusivität imitierten schließlich lederne Tapeten, die durch Punzieren – das Prägen künstlerisch hochwertiger Motive – veredelt wurden. „Das war einfacher herzustellen als Brokat“, erzählt van der Kolk.

Die Stoffbahn für das Kunstprojekt ist letztlich fünf mal sechseinhalb Meter groß und erforderte vom Weber eine enorme Aufmerksamkeit: „Man steht wirklich am Webstuhl und muss permanent aufpassen, dass ein abgerissener Faden nicht noch andere ramponiert“, beschreibt der Experte.

Reste wie Engelshaar

Übrig geblieben sind Reste, die wie Engelshaar aussehen. „Die schicken wir der Manufaktur zurück“, sagt van der Kolk, „und dort werden die Fäden wieder eingeschmolzen.“ Nach mehr als einem halben Jahr Vorarbeit – Mustersuche und Bestellung der Garne – ist nur das edle Tuch aus der Schwalm auf den Weg zu den Künstlern. Das Ergebnis wird sich Udo van der Kolk demnächst anschauen.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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