Stolpersteine: Jugendpflege lud zu Rundgang durch die Stadt ein

Bronzeplatten für Opfer

Vor der ehemaligen Judenschule: von links Renate Spanknebel, Jugendpfleger Michael Schott, Anneliese Schneider, Bärbel Schott mit Anna, Bernd Lindenthal und Walter Fröhlich. Foto: Rose

Treysa. 2004 verlegte der Künstler Gunter Demnig in Treysa 18 Stolpersteine. Iniitiert wurde das Projekt – damals ein Novum für Nordhessen – von Zwölftklässlern des Schwalmgymnasiums. Die ins Pflaster eingelassenen Bronzeplatten sollen an die Opfer des Holocaust erinnern. Kürzlich hatte die Stadtjugendpflege zusammen mit der Kreisverwaltung und der VHS dazu einen Rundgang mit dem Historiker Bernd Lindenthal organisiert. Hintergrund waren die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“.

„In Treysa begannen die Pogrome 1938 schon am Vormittag“, erzählt Lindenthal. Alle Schüler der Stadtschule mussten vor dem Ortsgruppenleiter antreten und „bekamen schulfrei für Randale“. Die ersten Steine flogen in die Fenster des Kaufhauses von Salomon Schwalm am Angel. Heute liegen vor dem Haus drei Steine: für die Schwestern Milling, Auguste und Jenny.

Nur wenige Meter entfernt, auf dem Kirchplatz, stand das Haus der Familie Moses. Sohn Moritz wurde erschlagen. Ernst Moses wanderte 1936 als 16-Jähriger nach Palästina aus. „Als ich Kontakt zu ihm aufnahm, war er regelrecht sauer auf mich“, sagt Lindenthal, „er wollte nicht, dass die alte Geschichte wieder aufgewärmt wird.“

Briefe seiner Mutter, die später deportiert wurde, hätten sicherlich Aufschluss über diese dunkle Familienepisode geben können – doch der gebürtige Treysaer Ernst Moses behielt diesen Schatz zeitlebens unter Verschluss. „Für mich als Historiker war das ein Tiefpunkt“, sagt der Treysaer.

Einer der drei Steine weist deutliche Spuren auf. Lindenthal hat eine Vermutung: „Ich denke, die Beschädigung stammt von einem Hammer.“ Es sei der einzige Stein, der bislang beschädigt wurde.

Längst nicht allen Opfern konnte auf Stolpersteinen der Name zurück gegeben werden. Bernd Lindenthal schätzt, dass den Pogromen in Treysa mehr als 200 Menschen zum Opfer fielen. Viele wurden verfolgt, mussten flüchten oder wurden später deportiert. (zsr)

Quelle: HNA

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