Landeskirche spricht von Sekte

Anhänger von umstrittenem Wunderheiler werben im Landkreis

Schwalm-Eder. Anhänger des umstrittenen Wunderheilers Bruno Gröning werben mit zwei Vorträgen im Schwalm-Eder-Kreis für ihre Lehre. Sie sehen Gröning als Transformator einer göttlichen Kraft, während die Evangelische Kirche von Schwindel spricht.

Der Bruno-Gröning-Freundeskreis veranstalte Informationsabende mit Ärzten, bei denen es Belege dafür gebe, dass die „Lehre Bruno Grönings ein guter Weg ist“, sagte Rolf Reinhard aus Melsungen, Mitglied im Freundeskreis. Bei den Abenden wird ein Film gezeigt. Schon dabei spürten manche Besucher die „universelle Heilkraft“, sagte er.

Gröning sei ein Heilungsschwindler gewesen, sagt dagegen Pfarrer Eduard Trenkel, Sektenbeauftragter der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck. Es sei weder beweisbar noch glaubwürdig, dass Gröning Krankheiten geheilt habe. Selbst da, wo es möglicherweise unerklärliche Heilungen gegeben habe, könne man das nicht auf Gröning zurückführen. Problematisch sei es, so der Sektenexperte, wenn Kranke nicht geheilt würden und die Schuld dafür bei sich suchten. Es gebe in den Freundeskreisen Tendenzen, auf ärztliche Behandlung zu verzichten.

Kein Heilversprechen

Der Melsunger Rolf Reinhard widerspricht dem. Es gebe keinerlei Druck, nicht zum Arzt zu gehen. Gröning habe vielmehr ausdrücklich zur medizinischen Behandlung geraten. „Es gibt kein Heilversprechen“, sagt der Jurist über die Freundeskreise. Allerdings beobachte man, dass viele Menschen in den Gröning-Kreisen Gesundheit geschenkt bekämen. Gröning habe sich als Transformator verstanden, der eine göttliche Kraft für Menschen umgewandelt habe, sagt Reinhard.

Er selbst sei seit 1993 dabei und habe mit Alkoholproblemen abgeschlossen: „Ich bin sehr dankbar.“ Die Freundeskreise sind aus Sicht der Landeskirche in den Bereich „fragwürdiger Geistheilergruppen“ einzuordnen. Deren Verständnis von Krankheit widerspreche dem christlichen Glauben, erklärt Trenkel. Gesundheit sei christlich gesehen nämlich kein Verdienst eigenen Handelns. Reinhard betont hingegen, dass Angehörige diverser Religionen Mitglied im Freundeskreis seien. Die Zugehörigkeit sei völlig freiwillig, koste nichts und könne jederzeit beendet werden.

Freundeskreis-Vorträge:

 • Homberg: Samstag, 8. Dezember, 13 Uhr, Stadthalle.

• Borken: Samstag, 8. Dezember, 17 Uhr, Bürgerhaus.

Hintergrund:

Bruno Gröning wurde als Bruno Grönkowski 1906 in Danzig geboren. Er wurde im Krieg verwundet, geriet in Gefangenschaft und kam dann in den Raum Dillenburg. 1949 trat er als Heiler an die Öffentlichkeit, nachdem Gott ihm den Befehl dazu gegeben habe. 1954 erhielt er Auftrittsverbot für die Bundesrepublik. Er durfte nicht mehr als Heiler arbeiten, tat das aber doch und wurde dafür verurteilt. 1959 erlag Gröning einem Krebsleiden. Die Österreicherin Grete Häusler gründete 1979 den Freundeskreis. (ode)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare