300 Seiten Historisches

Buch über Ziegenhain: Eine Stadt im Zeichen der Strafe

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Das Ziegenhainer Schloss: Seit dem 19. Jahrhundert dient es als Gefängnis. Der Geschichtsverein Schwalm hat in einem Buch die Geschichte Ziegenhains aus der Perspektive des Strafvollzugs betrachtet.

Ziegenhain. Ein Buch mit 300 Seiten über den historischen Strafvollzug in Ziegenhain wird vorgestellt. 

Verbrecher gibt es vermutlich schon so lange wie es Menschen gibt. Kaum ein anderer Ort in Nordhessen ist so mit Macht, Herrschaft, Sanktion und Strafe verbunden wie die Festungsstadt Ziegenhain. Genau das stellt eine neue Publikation des Geschichtsvereins Schwalm in den Mittelpunkt.

Das knapp 300 Seiten umfassende Werk stellt die Geschichte des Strafvollzugs in Ziegenhain in den Mittelpunkt. Es liefert einen Überblick über die alten Zeiten der Verbrechen und die damit verbundenen Strafen in Ziegenhain. Dokumentiert sind die Gefängnisse in Ziegenhain in der Zeit von 1040 bis 1840. 

Der Autor Hans Merle.

Das Entstehen dieses Buches ist laut Hans Merle, Herausgeber und Vorsitzender des Geschichtsvereins, im Zusammenhang der Vorbereitungen der Ausstellung "Graphische Sammlung von Ziegenhain" zurückzuführen.

Intensive Forschung

Es waren Architekturzeichnungen des Ziegenhainer Schlosses, die Merle dazu brachten, in die Tiefe der Ziegenhainer Strafvollzugsgeschichte einzutauchen. Eine intensive Forschungsarbeit nahm ihren Lauf. Innerhalb von zwei Jahren durchforsteten Merle und seine Forscher vom Geschichtsverein mehr als 150 Akten in Marburg, Darmstadt, Kassel und Ziegenhain. So dominieren nicht Fotos in dem Band, sondern auch Zusammenfassungen des rechtsrelevanten Inhalts von Urkunden, Landkarten und Aktenseiten. Akribisch verarbeiteten die Rechercheure die Inhalte der Akten.

Im Einstieg wird zunächst ein allgemeiner Überblick über die Geschichte der Haftstrafe geliefert. Der beginnt in der Frühzeit bei Erdlöchern, in denen Übeltäter festgehalten wurden, und endet mit dem ersten Strafvollzugsgesetz, das 1977 in Kraft trat.

In weiteren chronologischen Kapiteln bringen die Hobbyhistoriker immer wieder die baulichen Veränderungen an den Gefängnissen der Festung mit Entwicklungen in der Rechtsprechung und im Strafvollzug zusammen. Da sind die Stockhäuser, die es neben den Zuchthäusern gab. In den Stockhäusern wurden die Gefangenen wegen der Schwere ihrer Tat mit Eisen am „Stock“ gefesselt. Da ist zum Beispiel das im ehemaligen Renthof. Beschrieben wird die Entwicklung der einstigen Meierei bis hin zum Umbau, nachdem dort ein Stockhaus mit mehreren Zellen stand. Das Gebäude existiert nicht mehr, der Abriss war 1968. Deutlich sichtbar ist allerdings noch eines der Stockhäuser: der Rangenturm in der Landgraf-Philipp-Straße.

Vorgestellt wird das Buch geladenen Gästen am Mittwoch, 7. Februar, ab 14 Uhr im Rittersaal des Landgrafenschlosses, heute JVA. Erhältlich ist die Publikation ab 8. Februar für 30 Euro im Museum der Schwalm, der Schwalm-Touristik sowie dem Buchladen Hexenturm.

Quelle: HNA

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