HNA-Interview: Mario Gerhold stellt sich mit 41 Jahren zum dritten Mal zur Wahl

Direktwahl in Körle: Bürgermeister auf Rekordkurs

Gut gelaunt und voller Tatendrang: Der Körler Bürgermeister Mario Gerhold stellt sich am Sonntag erneut zur Wahl. Foto: Archiv

Körle. Als einziger Kandidat tritt Mario Gerhold (SPD) am Sonntag zur Direktwahl um das Bürgermeisteramt in Körle an. Wir sprachen mit dem 41-Jährigen, der schon seit zwölf Jahren an der Spitze der Verwaltung steht.

Herr Gerhold, Sie haben erneut keinen Gegenkandidaten. Bietet Körle keine Perspektiven für einen Bürgermeister?

Gerhold: Das glaube ich nicht. Das politische Klima ist hier ausgesprochen gut. Und es gäbe sicher auch andere, die die Aufgabe übernehmen könnten.

Sind Sie jemand, der es allen rechtmachen will?

Gerhold: Diese Kunst beherrscht niemand. Das ist auch nicht mein Anspruch, aber gemessen an dem Wahlergebnis 2005 scheint der größte Teil der Körler mit meiner Arbeit zufrieden zu sein.

Kann man sich nach so langer Zeit noch motivieren?

Gerhold: Zwölf Jahren sind noch keine so lange Zeit. Die Motivation ist kein Problem. Ich habe so viele Ideen, dass es eher an finanziellen und personellen Gegebenheiten scheitert, sie umzusetzen.

Was sind das für gute Ideen?

Gerhold: Ich würde gerne ein Wohnungsbauprogramm auflegen, einen Bürgerverein gründen und einen Biomassehof bauen. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht verzetteln. Das wäre bei der Größenordnung von Körle fatal. Ein Thema ist auch der Kläranlagenanschluss an Melsungen.

Wann soll das geschehen?

Gerhold: In den nächsten zwei Jahren. Wir sind schon mit der Stadt Melsungen in Gesprächen. Die Mandatsträger sollen noch in diesem Jahr über das Projekt entscheiden.

Das klingt nach einer Großinvestition.

Gerhold: Das Konzept geht von zwei Millionen Euro aus. Aber unsere Kläranlage hat 40 Jahre auf dem Buckel. Der Anschluss an den Melsunger Stadtteil Röhrenfurth wäre günstiger als eine eigene Kläranlage. Ein Neubau würde mindestens drei Millionen Euro kosten. Auch die Betriebskosten wären günstiger.

Welche Perspektiven gibt es außerdem?

Gerhold: Wir wollen uns bei den Erneuerbaren Energien weiterentwickeln. Es gibt ja in Körle schon zwei Nahwärmenetze. So etwas könnte man auch in den Baugebieten anbieten, die schon 20 Jahre alt sind.

Ist Mario Gerhold im Herzen auch ein Grüner?

Gerhold: Ja, das kann man so sagen. Ich habe mich schon als Jugendlicher sehr für den Umweltschutz interessiert und war schon früh in der AG für Natur- und Umweltschutz aktiv.

Was streben Sie außerdem an?

Gerhold: Wir sollten aus der Grundschule eine Schule mit festen Öffnungszeiten machen.

Und ist Körle irgendwann wieder Eigentümerin des Stromnetzes auf dem Gebiet der Gemeinde?

Gerhold: Wir haben das klare Ziel, das Stromnetz wieder in kommunale Hände zu nehmen.

Wieviel Geld müsste Körle dafür ausgeben?

Gerhold: Da geht es nicht um Millionenbeträge. Die Beteiligung an der Gesellschaft würde unsere Gemeinde knapp 300 000 Euro kosten.

Die Eon hat in der Vergangenheit Zahlen auf den Tisch gelegt, die nur der Abschreckung dienen sollten.

Wie hoch wäre der Erlös?

Gerhold: Das lässt sich für Körle noch nicht exakt sagen, weil über die Verteilung von Anteilen noch nicht gesprochen wurde. Die Gesellschaft würde aber Schwarze Zahlen schreiben. Wichtiger sind uns aber auch die Einflussmöglichkeiten, die sich bieten.

Sie sind seit 1999 Bürgermeister. Worauf sind Sie besonders stolz?

Gerhold: Es gibt in Körle eine politische Kultur ohne Hickhack. Deshalb sind wir in der Lage, schnell Entscheidungen zu treffen. Auch, dass wir es geschafft haben, neun Gemeinden beim Thema Stromnetze unter einen Hut zu bringen, ist ein Erfolg.

Was ist nicht gelungen?

Gerhold: Ich hätte gerne das Projekt Seniorengerechte Wohnungen verwirklicht. Leider hat im entscheidenden Moment das Geld gefehlt.

Warum sollten Neubürger nach Körle ziehen?

Gerhold: Körle ist nicht zu klein und nicht zu groß. Man kann sich gut in die Gemeinschaft integrieren, man kann aber auch anonym leben. Körle bietet eine gute und sichere Umgebung, auch für Kinder.

Sie sind 41 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch Bürgermeister bleiben. Werden Sie irgendwann mal Rekordhalter?

Gerhold: So lange die Körler mich wollen. Meine Lust an der Aufgabe ist ungebrochen. Es ist aber nicht mein Ziel, einen Rekord aufzustellen.

Quelle: HNA

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