Bürokratie sorgt für Verzögerungen bei Zahlungen an Landwirte im Kreis Kassel

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Blühstreifen an einem Maisfeld bei Altenstädt: Die Sonnenblumen sehen nicht nur hübsch aus, sie schützen den Boden auch vor Erosion. EU und Bund honorieren den Anbau, allerdings lässt die Auszahlung der Summe auf sich warten. Foto: Thon

Wolfhager Land. Einige der Landwirte, die sich gegenüber dem Hessischen Integrierten Agrar- und Umweltprogramm (HIAP) verpflichtet haben und landwirtschaftlich sowie naturschutzfachlich wertvolle Flächen nachhaltig bewirtschaften, warten noch immer auf die Zahlungen der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen. Darüber hat sich jetzt der Kreisbauernverband Kassel echauffiert.

Im vergangenen Jahr hätten die Landwirte bereits im Mai das Fördergeld von Bund und Europäischer Union in der Tasche gehabt, das im Auftrag des Landes Hessen über die Wirtschafts- und Infrastrukturbank ausgezahlt wird, sagt Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes. Nun sei die Zahlung für September angekündigt.

Betroffen sind allerdings nicht alle Landwirte, die sich an HIAP beteiligen. Derzeit warten Bauern, die Blühflächen und Schonstreifen auf Erosionsflächen angelegt haben sowie jene, die für die Bodenschutzverbessung aufs Pflügen verzichten und stattdessen auf Mulch- und Direktsaatverfahren setzen, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel.

Debatte innerhalb der EU

Diskussionen der EU-Mitgliedsstaaten um die Richtlinien des Programms hätten zu den Zahlungsverzögerungen geführt, sagt Claudia Ungeheuer, bei der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Man habe sich schließlich auf eine Verlängerung der Förderperiode bis Ende dieses Jahres einigen können, allerdings zu dem Preis, einen bürokratischen, zeitraubenden Akt in Gang gesetzt zu haben.

Insgesamt verteile die Wirtschafts- und Infrastrukturbank 22 Millionen Euro an Landwirte in Hessen. „19 Millionen wurden bereits ausgezahlt“, sagt Ungeheuer. Verzögerungen gebe es nur bei den Blühstreifen und im Mulchsaatbereich. Hiervon seien allerdings zahlreiche Landwirte im Landkreis Kassel betroffen. Zehn Prozent der hessischen Mulchsaatflächen befänden sich ganz im Norden des Bundeslandes.

Höherer Aufwand

Dem Kreisbauernverband Kassel geht es ums Prinzip: Es könne nicht sein, dass die Landwirte die geforderten Leistungen erbringen, diese aber nicht rechtzeitig honoriert würden, erläutert Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Er macht ein Beispiel: Landwirte würden zugunsten von Blühstreifen auf die Aussaat von Weizen verzichten. Dadurch mindere sich nicht nur der Ertrag, auch steige der Aufwand bei der Bewirtschaftung der Getreideflächen. Weil die Landwirte die Wildblumenstreifen mit ihren großen Maschinen umfahren müssten, dauere die Arbeit länger.

Schulte-Ebbert schätzt, dass über das HIAP eine Summe von gut 100 000 Euro Fördergeld an alle Landwirte im Landkreis Kassel ausgezahlt wird.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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