Endzeitstimmung nach Niederlagen des Traditionsvereins

Bundesliga-Dino am Wanken: Von den Leiden eines HSV-Fans

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Trübe Stimmung in der HSV-Garage in Schorbach: HSV-Fan Harald Becker und seine 75 Vereinskollegen haben zurzeit nicht viel Freude an ihrer Bundesligamannschaft.

Schorbach. Harald Becker hat zurzeit nichts zu lachen. Als HSV-Fan muss er viel Hohn und Spott ertragen. Im Vorstand und Aufsichtsrat des Hamburger Traditionsvereins herrscht Chaos, die Mannschaft spielt schlecht.

Die Garage in der Schorbacher Dorfstraße - der Stammsitz des Fanclubs 38/50 Schorbach - ist eindeutig blau-weißes HSV-Territorium. „Hier wird gefeiert, hier wird gelitten“, erklärt Becker. Die Raute dominiert. Überall Schals, Banner, Poster mit allen Spielern.

Misserfolge rauben Schlaf

Die Woche über ist Beckers blauer Ford hier geparkt. „Kein Auto schläft so schön wie mein Auto“, ist der Schorbacher überzeugt. Mit der Nachtruhe ist es derzeit allerdings so eine Sache bei den Schwälmer HSV-Fans. Aktuell rauben ihnen die Misserfolge den Schlaf. Denn der Dino der Bundesliga ist am Wanken. Erstmals in der Vereinsgeschichte droht der Abstieg. Eine Spielpleite jagt die nächste. Unrühmlicher Höhepunkt ist das Desaster beim Kellerduell am vergangenen Wochenende gegen Braunschweig, dem Tabellenletzten. Sensationell in dieser Saison scheint nur die Zahl der Gegentore. Bitter hört sich das Fazit des 45-jährigen an: „Wir sind die Schießbude der Liga.“

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Nach den Niederlagen hat man es als HSV-Fan in der Öffentlichkeit nicht ganz einfach, meint Becker, der von Beruf Bankkaufmann ist. Von allen Seiten werde man angesprochen. In diesen Zeiten fällt es selbst dem treuesten Fan schwer, weiterhin fest zum Verein zu stehen. Becker beklagt das Missverhältnis: Manche geben das letzte Hemd für den Verein, und die Spieler verdienen Millionen. Ein Großteil von ihnen orientiere sich bereits um. „Die Mannschaft steigt nicht ab, die Fans steigen ab.“

Lebhaft wird Becker, wenn er von vergangenen Zeiten berichtet. Ein Nachbar habe ihn zum HSV gebracht, an seinem ersten Fahrrädchen flatterte ein HSV-Fähnchen. Seitdem zählt Becker zu den legendären Kindern der Hamburger Westkurve. Bereits seit 40 Jahren feuert er von seinem Stammplatz im Block E die Mannschaft an. Ins Schwärmen gerät er, wenn er von den Erfolgen berichtet. Deutscher Meister 1960, 1979, 1982 und 1983, Europapokalsieger der Landesmeister (heute Champions League) im Jahr 1983. Der letzte Titel liegt einige Jahre zurück: Pokalsieger 1987. Und seit der Trennung von Sportchef Dietmar Beiersdorfer im Jahre 2009 geht es so richtig bergab, ist der HSV-Experte überzeugt.

Die Gründungsgeschichte des Schwälmer Fanclubs ist eng mit der Uhr im Stadion verbunden. Einmalig ist sie in der Liga, denn sie beschreibt die Zeit des HSV in der Bundesliga. Am 13. Oktober 2001 konnten die Schwälmer Harald Becker, Lothar Best, Björn Euler, Alexander Becker und Ingo Kister nach einem Besuch im Stadion nach einer langen Durst-Strecke ihres Lieblingsvereins erstmals wieder von einem Sieg berichten.

Die Stadionuhr tickt

Damals zeigte die Stadion- uhr 38 Jahre und 50 Tage an. Das war die Initialzündung zur Gründung des HSV Fan-Club 38/50 Schorbach. Inzwischen steht die Uhr bei 50 Jahren und fünf Monaten. Allerdings werde gewitzelt, dass die Uhr bald rückwärts laufen werde, erzählt Becker.

Überhaupt, an Häme mangelt es nicht. Am letzten Spieltag der Saison, dem 10. Mai, ist Kirmes in Schorbach. HSV-Fan Becker hat schon von den Plänen der Kirmesburschen gehört, beim Ständchenspielen vor der Vereins-Garage einen Trauermarsch für den HSV zu spielen. Und jetzt versinkt die Fan-Gemeinde komplett in Trauer: Die HSV-Legende Hermann Rieger ist tot.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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