Strom ist nicht wie Birnen

Bundesumweltminister Peter Altmaier beim Schwälmer Heringstopf

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Launiger Redner: Bundesumweltminister Peter Altmaier erläuterte die Energiewende.

Schwarzenborn. Schwergewichte sind sie beide: Bundesumweltminister Peter Altmaier, der gestern als prominenter Redner zum Schwälmer Heringstopf gekommen war, und Bernd Siebert, der im Namen der CDU-Schwalm-Eder den Gast als „Twitterkönig“ und als frischen Politiker mit großer Zukunft begrüßte.

Eine Doktorarbeit habe Altmaier schließlich nicht geschrieben. Der Saarländer sprach vor fast vollem Saal. Die Befürchtung Sieberts, der Saal bliebe der Witterung wegen gar leer, nahm Altmaier gelassen: „Mit uns beiden ist der Saal doch auch so voll.“

In seiner Rede stellte der Minister erwartungsgemäß die Energiewende in den Mittelpunkt und war trotz des Auftaktes zum Superwahljahr moderat in seinen Urteilen über die politischen Gegner.

Nach der Bundestagswahl im September seien keine klaren Mehrheiten zu erwarten, und in der Energiepolitik gebe es keine politischen Feinde, sondern nur Partner, die um Konsens ringen müssten.

„Die Energiewende selbst nannte Altmaier „eine Operation am offenen Herzen der Volkswirtschaft“. Im Bestreben, als erstes Industrieland in der Welt die Energieversorgung in den nächsten 30 bis 40 Jahren auf erneuerbare Energie umzustellen, gebe es noch viele Probleme zu lösen. Dazu gehöre etwa die Netzstabilität: Enorme Stromschwankungen gebe es, wenn etwa an sonnigen Junitagen die Photovoltaik-Anlagen bundesweit auf einen Schlag soviel Strom ins Netz einspeisten wie einst 20 Atomkraftwerke. Mittlerweile aber habe man große Erfahrung mit fluktuierenden Einspeisungen.

Problem im November

Gearbeitet werden müsse auch am „Novemberproblem“. Photovoltaik und Windkraft lieferten in solch einem Monat wenig Strom, aber der Bedarf sei hoch. „Es wäre schön, wenn man in solchen Monaten Strom einwecken könnte wie Pflaumen und Birnen“, sagte Altmaier. Deswegen müssten die besten Köpfe des Landes motiviert werden, an technischen Lösungen zu arbeiten – wie der „Power to gas“-Technologie, der Umwandlung von Strom in synthetisches Erdgas.

Zudem seien noch über Jahre hinweg für Reservekapazitäten moderne Kohle- und Gaskraftwerke notwendig. „Wir brauchen beides“, sagte der Bundesumweltminister. Generell erteilte Altmaier einer übertriebenen Subventionspolitik eine Absage, wie sie derzeit für Brennstoffzellen und kleine Blockheizkraftwerke gefordert werde.

Festschreibungen über mehrere Jahrzehnte bremsten innovative Technologien und verhinderten, dass erneuerbare Energie billiger werde – und das sei das Ziel.

Von Jürgen Köcher

Quelle: HNA

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