Amtsgericht in Treysa

Bundeswehr: Streit um geliehenes Gewehrteil landete vor Gericht

Treysa. Wegen eines gestohlenen Gewehrteils musste sich vor Kurzem ein 23-jähriger Soldat des Jägerbataillons aus Schwarzenborn vor dem Gericht verantworten – obwohl er den Schaden längst beglichen hatte. 

Wegen eines gestohlenen Manöverpatronengeräts für ein Sturmgewehr G36 musste sich vor Kurzem ein 23-jähriger Soldat des Jägerbataillons aus Schwarzenborn vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt verantworten.

Bei einem Manöverpatronengerät – kurz MPG – handelt es sich um ein Waffenteil, das notwendig ist, um Manöverpatronen zu verschießen. Als Zivilist würde man von Platzpatronen sprechen. Die Bundeswehr beziffert den Wert eines MPG auf 47,20 Euro.

Laut Anklage soll der Gefreite vor einer Übung das MPG eines Kameraden genommen haben, ohne diesen zu fragen. Später habe er das Waffenteil bei der Abgabe in der Waffenkammer als sein eigenes ausgegeben, so die Staatsanwaltschaft. Erst als der bestohlene Kamerad den Verlust bemerkte, flog die Tat auf und die Bundeswehrmühlen begannen zu mahlen.

Der Sachverhalt sei ganz anders gewesen, erklärte hingegen der Angeklagte. Da sein MPG gestohlen worden sei, habe er sich das MPG seines Kameraden lediglich ausgeliehen. Dieser sei damals zwar nicht auf der Stube gewesen, aber ein Zimmerkamerad habe es erlaubt, so der Gefreite: "Als es zur Verhörung kam, weil der Kamerad den Verlust gemeldet hatte, ist mir wieder eingefallen, dass ich es genommen habe." Bei der Rückgabe in der Waffenkammer habe er gar nicht daran gedacht und selbstredend habe er den Schaden mittlerweile bezahlt, so der junge Soldat auf Nachfrage des Gerichts.

Der Vorgesetzte des Gefreiten zeigte für das Verhalten seines Untergebenen wenig Verständnis. "Bei einem MPG handelt es sich nicht um eine Socke oder ein T-Shirt, sondern um ein Bauteil für ein Sturmgewehr", erklärte der Major und machte aus seiner Verärgerung um den versuchten Diebstahl unter Kameraden und dem Betrugsversuch keinen Hehl.

Aufgrund dieser Tat sei der 23-Jährige als Soldat charakterlich in keiner Weise geeignet, meinte der Zeuge. Ein weiterer Offizier berichtete dem Gericht von den Bundeswehrermittlungen in der Sache. Der Verlust eines MPG komme so gut wie nie vor, erklärte der Oberleutnant. Die Leistungen des Soldaten seien guter Durchschnitt, so der Zeuge weiter: "Er ist nie negativ aufgefallen. Das ist jedenfalls das, was mir die Gruppen- und Zugführer gesagt haben."

Man mache hier aus einer Mücke einen Elefanten, sagte der Richter im Prozessverlauf schmunzelnd und regte an, das Verfahren vorläufig einzustellen. Ein Ansinnen, das bei allen Beteiligten Zustimmung fand. Als Auflage muss der Gefreite 500 Euro an das Soldatenhilfswerk zahlen.

Er solle sich die Verhandlung als Warnung dienen lassen, so der Vorsitzende zu dem 23-Jährigen: "Nutzen Sie Ihre Chance: Zeigen Sie, das sich Ihr Charakter zum Positiven ändert."

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

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