26-jähriger Angeklagter bekennt sich beim Prozessauftakt zur Raubserie in Fritzlar und Kassel

Prozessauftakt: Bundeswehrsoldat bekennt sich zu Raubserie

Fritzlar/Kassel. Jeder Cent, den der Mann auftreiben konnte, landete im Geldspielautomaten. Sogar seinen Ehering versetzte er beim Pfandleiher. Und er wurde, so gibt der 26-Jährige beim Prozessauftakt vor dem Kasseler Landgericht zu, schließlich auch kriminell.

Sechs schwere Raubüberfälle, begangen innerhalb von nur drei Wochen in Fritzlar und Kassel, legt die Staatsanwaltschaft dem Soldaten zur Last.

Und der bestreitet nichts: „Im Prinzip ist alles, was in der Anklageschrift steht, richtig“, bekennt er zu Beginn. „Auch wenn ich mir wünsche, es wäre nie passiert.“

Es begann Ende Januar 2012 in Fritzlar, wo der Angeklagte damals seinen Dienst für die Bundeswehr versah. Auf dem Rückweg von seiner, so sagt er, „Stammspielothek“ zurück zur Kaserne sei er an einer anderen Spielhalle vorbeigekommen – und habe sich spontan zum Überfall entschlossen. „Ich hatte vorher sehr viel Geld verzockt, aber trotzdem noch das Bedürfnis weiterzuspielen“, erzählt er. „Da bin ich auf die dumme Idee gekommen.“ Vermummt mit einer Sturmhaube, erbeutete er ehr als tausend Euro – und suchte dieselbe Spielhalle schon fünf Tage später erneut heim. Drohte der Kassiererin (auch sie war dieselbe wie beim ersten Überfall) mit der erhobenen Faust: „Ich brech dir das Genick!“ Und raubte 500 Euro aus Kasse und Tresor.

Es folgte ein Überfall auf eine Spielhalle in Kassel – auf dem Rückweg vom Pfandleiher, wo er kurz zuvor seinen Ehering und Schmuck zu Geld gemacht hatte.

„Im Prinzip ist alles, was in der Anklageschrift steht, richtig.“

Und diesmal war der Mann sogar bewaffnet: „Ich hatte ein Messer dabei“, räumt der 26-Jährige ein. „Ein ganz normales Bundeswehr-Jagdmesser.“ Und schließlich überfiel der Mann an einem einzigen Tag zwei Kasseler Spielhallen und eine Tankstelle in Fritzlar. Was er bei den sechs Taten insgesamt erbeutete, beziffert die Staatsanwaltschaft mit rund 3500 Euro. Die Summe will der Angeklagte umgehend wieder verspielt haben – aber nicht nur dieses Geld, sondern alles, was er hatte. Und was er sich leihen konnte. „Ich habe extra Kredite aufgenommen“, sagt er. „Der Spieldruck war so groß.“

Dabei war sein Problem offenbar schon kein Geheimnis mehr: Seine Ehefrau wies ihm nur noch eine Art Taschengeld zu, die Bundeswehr bemühte sich um einen Therapieplatz für ihn. Alles vergeblich. Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft und muss mit einer mehrjährigen Gefängnisstrafe rechnen – auch wenn er wegen seiner Spielsucht möglicherweise als vermindert schuldfähig gilt.

Der Prozess wird fortgesetzt. (jft)

Quelle: HNA

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