Burgsitzschule: Lady Gaga und Martin Luther am Reformationstag

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Wie aus sprödem Flachs eine weiße Schürze wird: Das und viele andere andere handwerkliche Details aus Luthers Zeit lernten die Schüler der 5. und 6. Klassen im Kurs der Lehrer Jürgen Voigt (links) und Gerda Ruschka (nicht im Bild).

Spangenberg. Martin Luther und Lady Gaga haben nichts gemeinsam? Doch, haben sie. Beide sind schillernde Persönlichkeiten ihrer Zeit, Liederschreiber, sind keine Freunde des Papstes, und beide wollten etwas reformieren.

Er die Kirche, sie die Musik. Dieser ungewöhnliche Gedanke war nur einer der vielen Ansätze, mit denen die Burgsitzschüler in Spangenberg sich mit dem Reformationstag beschäftigten. Die Schüler hatten beim Projekttag „Die frühe Neuzeit – Aufbruch in die Moderne“ die Wahl aus 29 Workshops, die ihnen das Zeitalter der Reformation näherbrachten. Der Protestantismus bildete dabei allerdings nicht die einzige Grundlage. „Wir haben den Projekttag bewusst breit angelegt und nicht nur auf Luther bezogen“, erklärte Schulleiterin Sieglinde Strieder die Idee, deren Umsetzung über ein Jahr gedauert hat. Auch weltliche Dinge aus Luthers Zeit sollten in den Kursen behandelt werden. Das 16. Jahrhundert habe den Aufbruch in die Moderne bedeutet. Diesen Zeitgeist wolle man den Schülern vermitteln – auch mit der Parallele zur extravaganten Sängerin.

In diesem Kurs lernten die Schüler zunächst die Bedeutung von Luthers Liedern: Erst durch sie seien viele seiner Botschaften unters Volk gekommen, erklärte Kursleiterin Friederike Ullmann. Ähnlich wie Lady Gaga heute sei Luther Teil der damaligen Pop-Kultur gewesen. Anschließend übersetzte der Kurs einen alten Psalm in die moderne Sprache. „Eine interessante Aufgabe“, fanden Dana-Katharina Voß und ihre Klassenkameraden.

Modernisierung: Schüler der Klassen 8 bis 10 gaben gaben einem Psalm aus dem 16. Jahrhundert einen neuen Text.

In einer anderen Arbeitsgruppe ging es um den mittelalterlichen Aberglauben. Dort lernten die Schüler, warum manche Symbole Glück bringen, andere hingegen für Pech stehen. „Es macht Spaß, und zwar nicht nur, weil die Schule deshalb ausfällt“, fanden beispielsweise Torben Krause und Till Stöbel. Auf einem selbst gestalteten Plakat erklärten sie unter anderem, dass der Marienkäfer Kinder beschützen, Kranke heilen und der Bote der Mutter Gottes sein soll. Daher bringe es Unglück, ihn abzuschütteln oder zu töten.

Von Schlitzohren und Flachs

Ein anderer Kurs warf einen Blick auf das Handwerk im Mittelalter. „Der Zimmermann wurde früher auch Schlitzohr genannt“, fasste der Sechstklässler Hüseyin Öztürk anschließend zusammen. Der Grund: Sie trugen Ohrringe aus Gold und in der Kneipe konnte es schon mal vorkommen, dass sie ihnen aus den Ohren gerissen wurden. Aber auch ganz praktische Dinge wurden in Arbeitsgruppe besprochen, etwa wie aus Flachs Leinen hergestellt wurde.

Von Eugen Maier

Quelle: HNA

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