Von Sand nach Fritzlar in knapp zwei Stunden – Kreis: „Kein Geld für bessere Linie“

Busverbindung: 35 Kilometer Umweg von Sand nach Fritzlar

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Nachgefragt: Meike Königsdorf ruft bei der kostenpflichtigen Auskunft des NVV an und fragt nach einer Busverbindung von Sand nach Fritzlar.

Bad Emstal. Mit dem Auto benötigt man 15 Minuten von Sand nach Fritzlar. Mit dem Bus war Meike Königsdorf aus Sand Anfang der Ferien fast zwei Stunden unterwegs, denn die Tour führte über Kassel. Das ist ein Umweg von gut 35 Kilometern.

Die 52-Jährige erkundigte sich später beim kostenpflichtigen Service-Telefon des Nordhessischen Verkehrs-Verbundes (NVV), ob nicht doch noch irgendeine andere Linie nach Fritzlar fährt. Die Antwort war negativ. Alle Fahrten machen den Schlenker nach Kassel.

Problem bekannt

Auch in anderen Ortschaften des Landkreises gäbe es ähnliche Probleme mit dem öffentlichen Nahverkehr, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Kreises Kassel. Direktere und besser ausgebaute Busanbindungen scheiterten oft an der Frage der Finanzierung. „Die Planung des öffentlichen Nahverkehrs gestalten der Kreis, die Verkehrsverbände und die Kommunen zusammen“, sagt Kühlborn. Die Gestaltung der Fahrpläne orientiere sich dabei an der Nachfrage nach den Verbindungen und der Finanzierung.

In der Schulzeit gibt es eine direktere Busverbindung zwischen Bad Emstal und Fritzlar. Die Linie 154 schafft die Strecke in gut 30 Minuten. Den Betrieb der Linie auch während der Ferien anzubieten, würde Bad Emstal 6300 Euro kosten. „Das kann sich Bad Emstal nicht leisten“, sagte Kühlborn.

Nach ihrer zweistündigen Fahrt nach Fritzlar über Kassel machte sich Meike Königsdorf selbst auf die Suche und durchforstete die Fahrpläne nach einer kürzeren Linie zu der Domstadt, die auch in der Ferienzeit aktiv ist.

Dabei stieß sie auf eine Verbindung mit dem Anrufsammeltaxi (AST), welches dem NVV untersteht. Damit würde sie etwas weniger Zeit benötigen. Die Tour sollte sie von Sand nach Wolfhagen und von dort aus nach Heimarshausen führen. „Von dort aus musste ich das Fritzlarer Sammeltaxi anrufen“, erzählt Königsdorf. Was sie an der Geschichte am meisten ärgert: Niemand am Servicetelefon des NVV hat ihr von dieser AST-Verbindung berichtet. Ein verdeckter Probeanruf der HNA bestätigte ihre Erfahrung.

Steffen Müller, NVV-Pressesprecher, erklärt die Situation so: „Die Anrufsammeltaxis sollen für Mobilität rund um ein kleines Stadtgebiet sorgen.“ Sich eine AST-Verbindung von Sand nach Fritzlar zusammenzubasteln, sei zwar möglich, aber vom NVV nicht so vorgesehen. „Unsere Mitarbeiter am Telefon haben keinen Fehler gemacht“, so Müller.

Von Juri Auel

Quelle: HNA

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