Ausgelassenes Neujahrskonzert in Fritzlar

Ein charmantes Spektakel

Nächte in Venedig können nach Johann Strauß voller Tollheit und Lust sein: Beim Neujahrskonzert des Kulturvereins Fritzlar und der VR- Bank Schwalm-Eder spielte Barbara Cramm zur Gaudi des Publikums die Beschwipste. Ganz Kavalier und behilflich war dabei Dirigent Juri Gilbo. Foto: Auerbach

Fritzlar. Frech schnarrte zuerst die kleine Trommel – dann setzte mit ausdrucksvollem Spiel das Orchester zur Ouvertüre von Gioachino Rossinis Krimi-Oper „Die diebische Elster“ an. Fulminant eröffnete die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg am Samstagabend einen glanzvollen, musikalischen Neujahrscocktail.

Den servierten die Musiker den 350 Zuhörern in der Fritzlarer Stadthalle. Dirigent Juri Gilbo griff tief in die Klangkiste und holte bewährte Zutaten wie rasante Tänze, Klassiker der Oper und Operette, sanfte Chansons, Filmmusik und Musicalhits hervor.

Das abwechslungsreiche Repertoire führte rund um die Welt und mit dem „Höllen-Galopp“ von Jacques Offenbach sogar hinab in den Hades, die Unterwelt der griechischen Mythologie.

Nur sechs Instrumentalstücke wurden gespielt. Daher standen die Gesangsstars Barbara Cramm, Sopran und Antonio Rivera, Tenor oft im Mittelpunkt des über zweistündigen Konzerts.

Finesse und Anmut

Es beeindruckte, mit welcher Finesse die Sänger ihre herrlichen Stimmen im Solo und im Duett präsentierten und miteinander und mit dem Orchester harmonierten. Und wie sie in verschiedene Rollen schlüpften, dabei anmutige Reize und Charme ausstrahlten und mit Empfindsamkeit und Hingabe auf Szenen und Texte eingingen, das machte das genussvolle Erleben perfekt.

In der Arie „Sieh, mein Herz erschließet sich“ aus Camille Saint-Säens Oper „Samson und Dalila“ umgarnte Dalila (Barbara Cramm) den Giganten Samson mit verführerischer Stimme.

Poetisch besang sie als Wassernixe Rusalka den Mond, während ein sanft perlendes Arpeggio des Klaviers die zauberhafte Atmosphäre unterstrich.

Beschwipst und ausgelassen gab sich die Cramm mit der Schampusflasche in der Hand in der „Annen-Polka“ aus Johann Strauß Operette „Eine Nacht in Venedig“. Kurz darauf bewies sie die Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme und trug mit warmem Timbre das unvergessliche Chanson „Non, je ne regrette rien“ vor.

Mit weichem Piano und schmetterndem Forte, sang Antonio Rivera die weltbekannte Tenorarie des Prinzen Kalaf „Keiner schlafe“ aus der Oper „Turandot“ von Giacomo Puccini.

Und schließlich gestanden sich die Vokalisten als Tony und Maria ihre Liebe mit einem gefühlvollen „Tonight“ aus dem Musical „Westside Story“. Jedes der 13 Gesangsstücke war ein Höhepunkt für sich und sorgte für Emotionen.

Ausgelassene Stimmung

In diesem herrlichen Melodienreigen verbreiteten sich im Handumdrehen Frohsinn und gute Stimmung im Publikum. Ein Zuhörer sagte begeistert: „So klangvoll und beschwingt begrüßt, kann das neue Jahr ruhig kommen“. Dem großen Applaus folgten Zugaben.

Das Neujahrskonzert war eine Veranstaltung, die unter der gemeinsamen Regie des Kulturvereins Fritzlar und mit Unterstützung der Stadt und der VR-Bank Schwalm-Eder stattfand.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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