Angebliche Wundermittel

Chia, Goji und Spirulina sind im Trend: Superfood oder Supermarketing?

Schwalm-Eder. Was ist dran an Super-Lebensmitteln wie Chia, Spirulina und Moringa? Sind sie tatsächlich so gesund wie ihr Ruf, oder steckt eine geschickte Marketing-Strategie dahinter? 

Sie tragen exotische Namen und sollen durch ihre hohe Konzentration an wertvollen Bestandteilen gesundheitsfördernd sein: „Superfoods“ erleben einen wahren Trend. 

„Tatsächlich sind viele dieser so genannten Superfoods besonders reich an Vitaminen und Mineralstoffen“, sagt die Edermünder Ernährungsberaterin Carla Romahn-Burbach. Dennoch sollte man sich mit diesen Lebensmitteln zunächst auseinander setzen, bevor man sie zu sich nimmt. Der Begriff „Superfood“ sei ein reiner Marketing-Begriff, der impliziere, dass etwas besonders wertvoll für unsere Gesundheit ist. Langzeitstudien über Wirkung und mögliche Risiken gebe es hingegen nicht. Die Diplom-Oecotrophologin hat die vermeintlichen Wundermittel deshalb unter die Lupe genommen.

Chia-Samen

„Chia gehört zur Gattung der Salbeipflanzen“, erklärt Carla Romahn-Burbach. Schon die Mayas und Azteken schätzten die Samenkörner wegen ihrer stark quellenden Eigenschaften als Sattmacher. Und was steckt drin? „Kalzium, Proteine, Antioxidantien und jede Menge Omega-3-Fettsäuren – und damit viele Kalorien“, weiß die Expertin. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfehle einen Verzehr von maximal 15 Gramm Chia-Samen am Tag. „Zudem sollte man wegen der quellenden Wirkung viel trinken.“

Goji-Beeren

Sie werden als Wunderbeeren angepriesen, haben einen hohen Vitamin-C-Gehalt, sollen angeblich das Immunsystem stärken und für eine ausgeglichene Darmflora sorgen. „Dass Goji-Beeren in China angebaut werden und oft mit Pestiziden belastet sind, weiß allerdings kaum jemand“, sagt die Ernährungsberaterin. Die bislang einzigen Labortests seien in China durchgeführt worden. Zudem warnte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte schon im März 2013, dass Goji-Beeren gefährliche Wechselwirkungen mit blutverdünnenden Medikamenten verursachen können.

Spirulina

Es handelt sich um eine Algenart, die vor allem wegen ihres hohen Eiweißgehalts als Superfood gilt. „Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sind da aber genauso geeignet“, weiß die Oecotrophologin. Vitamin B12 ist ebenfalls in großer Menge in Spirulina enthalten, könne allerdings in der vorliegenden Form kaum vom menschlichen Körper aufgenommen werden.

Moringa

„Moringa oleifera“ heißt der aus Indien stammende Meerrettichbaum. Seine Blätter werden in pulverisierter Form angeboten und sind nach Herstellerangaben reich an Kalzium, Betacarotin, Kalium, Eisen und Vitamin C. „Auch hier gibt es keinerlei wissenschaftliche Studien, die eine positive Wirkung belegen.“

Das Fazit der Ernährungsexpertin fällt durchwachsen aus: „Superfood ist ein Hype, dem man sich nicht anschließen muss. Wer die vermeintlichen Wundermittel ausprobieren möchte, sollte dies nur in Maßen tun.“ Saisonales Obst und Gemüse aus der Region sei ebenso reich an Vitaminen und Mineralstoffen – und noch dazu bedeutend billiger.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa

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