Christa Grenzebach spielte 60 Jahre die Orgel in Mörshausen

Eine Institution in der Kirche: Nach 60 Jahren hört Christa Grenzebach aus Mörshausen mit dem Organistendienst in Mörshausen, Bergheim und Adelshausen auf. Foto: Feser

Mörshausen. 60 Jahre lang hat Christa Grenzebach aus Mörshausen die Orgel gespielt - jetzt hört sie auf. Am Sonntag wird sie mit einem Gottesdienst verabschiedet.

Wie oft sie die steile Treppe zur Mörshäuser Orgel hochgestiegen ist, weiß sie nicht. Es müssen tausende Male gewesen sein, denn Christa Grenzebach war 60 Jahre lang Organistin der Kirchengemeinde Mörshausen. Am Sonntag wird die 79-Jährige in einem Gottesdienst verabschiedet. Dann wird Bezirkskantor Christian Fraatz die Orgel für sie spielen.

Die Lieder für diesen besonderen Gottesdienst hat Christa Grenzebach ausgesucht - zum ersten Mal in ihren 60 Dienstjahren. Es werden ihre Lieblingslieder sein, zum Beispiel „Bewahre uns Gott“ und „Such, wer da will“ - „denn ich liebe ihre Texte und die schönen Melodien.“

Diese Lieder werden die Gottesdienstbesucher am Sonntag sicherlich wieder zum Mitsingen anregen. „Ich freue mich, dass die Gemeinden in unseren Gottesdiensten immer so gut mitsingen“, sagt Grenzebach. Eine Woche nach dem Abschiedsgottesdienst gibt es weitere Premieren: Es wird das erste dienstfreie Weihnachtsfest seit 1955 für Christa Grenzebach sein. Und dann gibt es die erste Weihnachtsgans, die sie selbst komplett zubereitet. In den vergangenen Jahren musste sie sich die Arbeit mit ihrem Ehemann Karlheinz teilen: Sie hatte die Gans am frühen Weihnachtsmorgen gefüllt und musste dann an drei Weihnachtsgottesdiensten Orgel spielen; das stundenlange Wenden und Begießen der Gans musste ihr Mann übernehmen.

Ihren ersten Klavierunterricht hatte sie mit acht Jahren, aber immer nur im Sommer, weil sie im Winter nicht üben konnte: Das Klavier stand im Wohnzimmer, und das wurde nur sonntags und an Weihnachten geheizt. Als dann der Organist in Mörshausen in Ruhestand ging, bekam Christa Grenzebach ein Vierteljahr Orgelunterricht und begleitete sonntags den Gesang der Kirchengemeinde.

Als sie noch keine eigene Orgel zuhause hatte, musste Christa Grenzebach jeden Samstagnachmittag zum Üben in die Kirche gehen. Zwei Stunden lang saß sie dann auf der Empore, auch im Winter, wenn die Kirche noch nicht geheizt war. „Als ich dann endlich eine Orgel hatte und zuhause üben konnte, war das ein großer Vorteil.“

Für ihre Familie war es völlig normal, dass Christa Grenzebach sonntagvormittags nicht zuhause war: Ehemann Karlheinz hat sie schon als Organistin kennengelernt, die Kinder sind damit groß geworden. Tochter Kerstin ist mittlerweile selbst Pfarrerin, Sohn Volker Religionslehrer, und Schwiegertochter Ilona ist Pfarrerin - in Mörshausen.

Nun wird die 70-Jährige nicht mehr öffentlich Orgel spielen. In dieser Woche ist sie ein letztes Mal die steile Holztreppe mit den ausgetretenen Stufen zur Orgel hochgestiegen. Für ein Pressefoto hat sie sich ein letztes Mal an das Instrument gesetzt. Ob ihr die Sonntage an der Kirchenorgel fehlen werden? „Ich könnte mir denken“, sagt Christa Grenzebach bescheiden, „dass es gar nicht so schlecht wird.“

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare