Christian Berndt aus Ehlen brachte einen alten Mercedes in den Senegal

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Da waren wir: Stefen Rüdiger zeigt auf der Landkarte auf den Sengal im Westen Afrikas. Foto:  Temme

Ehlen. Rallyefahren macht süchtig. In dem Punkt sind sich der Ehlener Christian Berndt und sein Kumpel Steffen Rüdiger einig. Gemeinsam begaben sich die beiden Nordhessen mit einem alten Benz auf eine lange Reise.

Von Ostheim bis in den schwarzafrikanischen Senegal fuhren sie mit ihrem Mercedes, den sie dort für ein Waisenhausprojekt verkauften. Vor kurzem kehrten sie zurück von ihrer vierwöchigen Rallye, die nicht die letzte gewesen sein soll.

„Wenn man in solchen Länden unterwegs ist, fährt man nur mit offenem Mund durch die Gegend“, sagt Rüdiger. Die Eindrücke seien so gewaltig, dass es schwer falle, sie zu beschreiben. Dass sie von morgens bis abends oft im Auto saßen, Temperaturen bis 54 Grad ertragen mussten und die gesamte Rallye mehr als 2000 Euro verschlang, störte die beiden Uniabsolventen wenig. Dafür seien sie hundertfach entschädigt worden, meinen der Ostheimer Rüdiger und sein Mitstreiter Berndt aus Ehlen.

Ob es die abwechslungsreiche Wüstenlandschaft Marokkos war, die vielen Kamele am Straßenrand der Länder, die sie passierten oder das außergewöhnliche Essen - täglich gab es Neues zu erkunden. „Uns wurde beispielsweise Schafskopf empfohlen - auch wenn es übel aussah, haben wir es probiert und es schmeckte wirklich gut.“ Ähnlich sei es ihnen mit Kamel gegangen, welches ein wenig an Rehfleisch erinnere, meint Rüdiger.

Kontakt zu den Einheimischen hatten die Rallyefahrer vor allem auf Märkten, wo sie sich mit Proviant versorgten. Sowohl in Marokko als auch in Mauretanien und dem Senegal, also den Ländern, die auf der Strecke lagen, verständigten sich die beiden mit einfachem Französisch. Denn dies könne neben arabisch dort fast jeder verstehen.

Dass auch die Polizei in Afrika etwas anders tickt als bei uns, wurde durch eine Kontrolle klar. „Da ich unser Nummernschild in der Wüste verloren hatte, habe ich einfach mit Edding aus Jux unseren Rallyenamen „KS - 0816 vorn ans Auto geschrieben“, erinnert sich der Ostheimer, völlig ernsthaft hätte der Polizist dieses dann notiert.

Größere Pannen hatte Team 0816 während der 10.000 Kilometer langen Tour nicht. Sie hätten zwischendrin zwar einen Defekt an einer Lüftung gehabt und deshalb permanent die Heizung laufen lassen müssen, doch das sei bei den Außentemperaturen sowieso kein Problem gewesen. Nerviger hingegen sei der viele Sand, der irgendwann überall sei.

„Da wir uns jeden Abend mit den gesamten Fahrern auf einem Campingplatz getroffen haben, konnten wir uns ja täglich duschen, was wirklich befreiend war“, erklärt Berndt. Auch die unendliche Weite der Westsahara war für die ehemaligen Studenten gewöhnungsbedürfig. „Alles sieht dort gleich aus, es gibt kein Baum oder Ähnliches, was man anpeilen könnte und dazu noch die extreme Hitze fordert einen schon.“

Angekommen im Senegal übernahm ein Händler gleich alle 23 Mercedes. Obwohl dort unten Dacia produziert würde, liebten die Senegalesen das deutsche Wertprodukt - drei Millionen Kilometer auf dem Tacho eines Benz sei dort unten kein Einzelfall.

Nach keinen einfachen Verhandlungen haben die beiden ihr altes Schätzchen schließlich noch für 1000 Euro verkauft. Das Geld lässt der Veranstalter der Dust and Diesel Rallye Waisenhausprojekten im Senegal zukommen.

Dass die beiden Freunde Blut geleckt haben, steht fest. Nach einer Afrika-Rallye mit einem R4 im Vorjahr (wir berichteten) und der diesjährigen Benz-Tour überlegen sie schon wieder, was als nächstes kommen könnte. Nur zwei Tage nach ihrer Heimkehr kaufte sich Rüdiger schon gleich einen Trabbi, „der bestimmt auch auf Weltreise gehen wird.“

Quelle: HNA

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