Gefühl der Dankbarkeit

Wolfhager Hospizdienst möchte Ängste nehmen

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Menschen auf dem letzten Weg begleiten: Petra Moser (rechts), Koordinatorin vom Hospizdienst Wolfhager Land, und die ehrenamtliche Mitarbeiterin Christina Dummer schauen sich den Flyer zum Einführungskurs zu Hospizbegleitung an. Für den im August startenden Kurs hoffen sie noch auf Teilnehmer.

Wolfhagen. Christina Dummer kann sich gut an ihre Anfänge als Hospizdienstmitarbeiterin erinnern: „Wenn man die ersten Male die Türklinke drückt, muss man schon eine kleine Hemmschwelle überwinden.“

Sie hat 2016 den Qualifizierungskurs zu ehrenamtlicher Hospizbegleitung in Wolfhagen gemacht und geht der Beschäftigung seitdem neben der normalen Arbeit nach.

Mit 48 Jahren gehört die Wolfhagerin zu den Jüngeren unter den Hospizmitarbeitern, dies sei aber kein Problem für sie. „Ich habe selten so interessante, warmherzige Menschen kennengelernt wie im Hospizverein. Das Miteinander ist ganz anders als in anderen Vereinen,“ berichtet Dummer, die in einem Motorradgeschäft arbeitet und lange selbstständig war. „Da habe ich die Hilfe, die eine Gesellschaft ausmacht, kennengelernt und mir zum Ziel gesetzt, etwas zurückgeben zu wollen“, erzählt sie. Für sie sei außerdem die Begegnung mit Menschen ganz wichtig.

Der Flyer für den Einführungskurs lag dennoch erst einmal zuhause herum. „Ich habe lange überlegt, ob es das Richtige für mich ist. Man hat schon Hemmungen davor, sich mit den Themen Tod und Trauer zu beschäftigen“, macht Dummer ihre früheren Bedenken deutlich.

Dass andere Menschen diese auch hätten, verstehe sie. „Viele denken, man sitze nur traurig da, aber man bekommt auch so viele Glücksmomente geschenkt“, sagt sie.

Dies sei beim Qualifikationskurs schnell klar worden: „Der Kurs war wirklich hervorragend und hat sich in keiner Weise wie Arbeit angefühlt. Petra Moser nimmt einem die Angst und führt gut in die Arbeit ein. Man muss keinerlei Qualifikationen mitbringen.“ Sie würde ihre Freizeit immer wieder dafür opfern, sagt Dummer. Es sei zudem egal, aus welcher beruflichen Sparte man komme. Pflegeerfahrungen seien nicht notwendig.

Bedarf noch nicht gedeckt

Petra Moser, Koordinatorin vom Hospizdienst Wolfhager Land, glaubt trotz steigender Zahlen nicht, dass der Bedarf nach Sterbebegleitung schon gedeckt sei. Trotz vieler Besuche in Altersheimen und Informationsständen bei Veranstaltungen würden sich zahlreiche betroffene Menschen nicht trauen, nachzufragen, oder einige Ärzte und Pflegepersonal sich nicht melden, sollte ihnen ein Fall auffallen.

Seit Christina Dummer für den Hospizdienst tätig ist, hat sie sechs Menschen auf dem letzten Lebensabschnitt begleitet. „Wenn man einen Menschen besucht, der einsam und traurig ist, und derjenige lacht zum Abschied, überkommt einen ein Gefühl der Dankbarkeit und inneren Ruhe“, sagt sie. Sie werde bei der Arbeit außerdem sehr gut unterstützt: „Es ist jederzeit jemand erreichbar und man kann einen zeitlichen Rahmen geben, wann man eingesetzt werden möchte.“

Christina Dummer möchte dem Hospizdienst treu bleiben. Für die Zukunft hofft sie, dass sich noch mehr Menschen für ein solches Ehrenamt entscheiden und Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten: „Wie viel Kraft und Mut diese Leute einem entgegenbringen, hätte ich so nie erwartet.“

Hintergrund: Mehr Menschen wollen Sterbebegleitung

Immer mehr Menschen nehmen den Hospizdienst in Anspruch. Im ersten Halbjahr 2018 wurden im Wolfhager Land bereits 25 Menschen begleitet. 2013 waren es zunächst 47 Betreuungen, 2016 bereits 58 und im vergangenen Jahr betreute der Wolfhager Hospizdienst 65 Menschen. „Die Zahl der Menschen, die sich bei uns melden und auf dem letzten Lebensabschnitt begleiten lassen möchten, steigt kontinuierlich“, berichtet Petra Moser. Die Gründe für den wachsenden Bedarf sind laut Moser gesellschaftlicher Natur. Zum einen sei der demografische Wandel in Deutschland zu nennen. Zum anderen wohnten viele Familien nicht in der unmittelbaren Nähe der Bedürftigen oder seien voll berufstätig. Die wachsende Zahl der Personen, die die Sterbebegleitung in Anspruch nehmen, sowie der Umstand, dass einige der ehrenamtlichen Mitarbeiter bald in den Ruhestand gehen, sorgen dafür, dass der Hospizdienst im Wolfhager Land Nachwuchskräfte sucht. „Wir bieten deshalb im August wieder ein Seminar an, bei dem wir zu ehrenamtlicher Hospizbegleitung qualifizieren“, berichtet Moser und hofft, dass sich Freiwillige finden. Der Verein, der seit 1999 schwerstkranken Menschen und ihren Angehörigen Hilfe und Begleitung anbietet, sucht dabei im gesamten Altkreis nach Ehrenamtlern, die unabhängig von beruflicher Qualifikation und Alter bereit sind, sich mit den Themen Wahrnehmung, Kommunikation, Sterben, Tod und Trauer auseinanderzusetzen und darüber auszutauschen. Aktuell sind rund 30 Ehrenamtliche im Einsatz, von denen zwölf bis 15 jedoch pausieren. „Die Themen Tod, Sterben und Trauer sind in der Gesellschaft noch immer welche, mit dem sich nicht gern beschäftigt wird“, sagt Christina Dummer.

Seminar im August

Ab dem 8. August bietet der Hospizdienst im Wolfhager Land wieder ein Seminar zur Qualifizierung für ehrenamtliche Hospizbegleitung an. An vier flexiblen Wochenendseminaren und sieben Abendterminen lernen die Anwärter die Begegnung mit kranken Menschen und Angehörigen kennen und üben sich in Wissensvermittlung, im Wahrnehmen, Zuhören und in Achtsamkeit. „Wir suchen Menschen aus dem gesamten Altkreis Wolfhagen, die Interesse haben“, betont Petra Moser, die den Kurs leitet. Mehr Informationen zur Anmeldung erhalten sie unter der Telefonnummer 05692/993521 (Mo. und Do., 12 bis 15 Uhr), unter 0173/2775324 oder per Mail (hospizdienstwoland@t-online.de).

Quelle: HNA

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