Im Dienst, wenn andere feiern: Verspätete Bescherung für alle, die Heiligabend arbeiten müssen

Das Christkind muss warten

Weihnachtsdienst: Mit anderen Kolleginnen und Kollegen schieben sie an den Festtagen Dienst im Wolfhager Krankenhaus: Ilona Kröner, Konrad Jakobi, Sigrid Habel, Silvia Flörke, Alina-Britt Westphal und Ursel Weitzendorf (von links). Fotos: Michl

Wolfhagen. Wenn sich heute Abend die Familien um den Christbaum versammeln, um sich zu beschenken, müssen diejenigen, die heute arbeiten müssen, die Bescherung verschieben. Auch wenn an den beiden folgenden Festtagen gemütlich gefeiert wird, sind Menschen, die Dienst haben, nicht dabei, sondern im Einsatz für andere. Ob bei der Polizei, Feuerwehr, in Krankenhäusern, Pflegeheimen und vielen anderen Bereichen – die Weihnachtstage sind dort für die Diensthabenden Arbeitstage wie (fast) alle übrigen Arbeitstage.

Im Wolfhager Krankenhaus am Kleinen Ofenberg, das über Weihnachten mit etwa 60 Patienten belegt ist, gibt es ohne die in Rufbereitschaft stehenden Ärzte zwölf Mitarbeiter, die vor Ort Dienst schieben müssen. Zu ihnen gehört Ilona Kröner aus Bad Emstal, Stationsleiterin in der Chirurgie, Mutter von zwei Kindern und inzwischen auch zweifache Oma.

Seit 1977 macht sie im Zwei-Jahres-Rhythmus Weihnachtsdienst, hat in diesem Jahr Glück. Heute hat sie um 14 Uhr Feierabend. Im Gegensatz zu Krankenschwester Ursula Weitzendorf aus Wolfhagen. Ihr Dienst auf der Entbindungsstation endet heute um 21 Uhr, dauert am ersten Feiertag von 7 bis 12 Uhr. „Wenn ich nach Hause komme, hat mein Mann schon alles für unsere Weihnachtsfeier mit unserem Sohn vorbereitet.“

Doppelschicht

Eine Doppelschicht gibt es für die Altenhasungerin Alina-Britt Westphal im Labor (Röntgen und EKG). Sie arbeitet heute und auch morgen. „Da muss schon ein wesentliches Stück Familientradition hinten anstehen“, sagt sie. Die drei Kinder, sechs, neun und 15 Jahre alt, müssen diesmal ohne die Mama nur mit Papa und Oma in die Kirche gehen. Bescherung ist, wenn Britt Westphal gegen 21.30 Uhr heimkommt.

Auf gewohnten Brauch mit Kirchgang, Essen und Bescherung mit Mann und den zwei Kindern verzichtet auch die im Labor tätige Wolfhagerin Sigrid Habel. Ihr Dienst beginnt am Heiligen Abend um 9 Uhr, erst gegen 18.30 Uhr wird sie wieder zu Hause sein.

Besser sind da Silvia Flörke aus Viesebeck und Konrad Jakobi aus Bründersen dran. Für die in der Küche beschäftigte Viesebeckerin endet der achtstündige Arbeitstag am Heiligen Abend um 14.30 Uhr. Und Haustechniker Jakobi kann während seiner 24 Stunden-Schicht zwischendurch zur Familie nach Hause, hat jedoch immer Rufbereitschaft.

Freiwillig gemeldet

Erstmals an einem Heiligen Abend arbeitet Ulrike Figge aus Bad Arolsen, Mutter zweier Töchter. Sie ist Pflegekraft in der Wolfhager Seniorenresidenz Phönix. Dort endet ihr Dienst um 21 Uhr. Für ihren Arbeitskollegen Benjamin Bossaerts aus Ippinghausen ist Weihnachtsdienst dagegen nichts Ungewöhnliches. Als ausgebildete Pflegefachkraft hat sich der Alleinstehende freiwillig für den Heilig-Abend-Dienst gemeldet, damit Mitarbeiter mit kleinen Kindern im Kreis der Familie feiern können. Das wird er dann mit seinem 25-jährigen Sohn und der neun Jahre jüngeren Tochter zusammen mit seinen Eltern am zweiten Weihnachtsfeiertag nachholen.

Von Reinhard Michl

Quelle: HNA

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