Jeder Tag ist ein Kampf

Circus Fischer ab Freitag in Fritzlar zu Gast

Fritzlar. „Wir sind eigentlich schon immer da.“ Den Circus, dessen Chef er heute ist, gibt es schon sehr lange, sagt Francesco Fischer. Seit elf, zwölf Generationen, glaubt er. Die Zukunft der Circus-Branche sieht der 55-Jährige allerdings nicht rosig.

Auch der Start des Gastspiels in Fritzlar war kein Zuckerschlecken für das Unternehmen, mit dem 25 Menschen und zahlreiche Tiere unterwegs sind. Ursprünglich sollte das Zelt in unmittelbarer Nähe des Flugplatzes aufgestellt werden, doch die Bundeswehr habe ein Veto eingelegt, da der Flugverkehr gestört werden könne, erzählt Fischer.

Eine Alternative musste her

So musste schnell eine Alternative her. Die wurde im Gewerbegebiet nahe der Firma Lemmi gefunden. Der Aufbau sollte gestern bis in die Nacht dauern.

Zugpferd des Circus Fischer sind seine sieben Tiger, fünf bengalische und zwei russische. Der Circus-Chef führt sie selbst in der Manege vor. Ein etwas komisches Gefühl habe er immer, wenn er in den Zentralkäfig trete. Er gehe aber kein Risiko ein und lasse auch schon mal einen Tiger in seinem Wagen, wenn der nicht gut drauf sei.

Zaila hat Fischer im eigenen Wohnwagen aufgezogen. „Ein Tiger ist schlimmer als ein Baby“, erzählt er. Fünfmal pro Nacht musste er raus und Fläschchen geben.

Gerne ein Stück Fleisch: Einer der Tiger vom Circus Fischer.

Inzwischen ist Zaila eine „junge Dame“, wie Fischer sagt. Und sie hat wie die anderen Tiger viel Kraft und scharfe, spitze Krallen in den Pranken. Wirklich artgerecht könne man Tiger in einem Circus nicht halten, in einem Zoo aber auch nicht, ist er überzeugt. Das gehe nur in der freien Natur, aber angenehm könne man es den Tigern machen.

Nicht mehr angenehm ist das Geschäft für die Circusbranche. Es gebe immer weniger Plätze, die Genehmigungen brauchten oft Monate oder gar Jahre. „Ich habe viel erlebt: Höhen, Tiefen und noch tiefer“, sagt Fischer leicht resigniert und fügt hinzu: „Aber unser Publikum rettet uns immer wieder.“

Fischers jüngste Tochter Kenia ist elf und kann sich ein Leben ohne den Circus nicht vorstellen. Ihr Vater ist skeptischer. Er glaubt, dass die Aussichten schlecht sind: „Die Circuskultur geht kaputt.“

Gastspiel: Fr./Sa./Mo./Di. 16 Uhr, Sonntag 11 und 15 Uhr, mit Clowns, Pferden, Akrobaten und Tigern.

Quelle: HNA

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