Auch sozial isolierte Erwachsene gefährdet

Computersucht: Patientenzahl steigt - Kinder und Jugendliche gefährdet

Wolfhager Land. Die Zahl der Onlinesüchtigen steigt zunehmend. Beim spezialisierten Kasseler Beratungsprojektes Real Life des Diakonischen Werks Kassel hat sich die Zahl der Klienten seit Projektstart im Jahr 2008 mehr als verdoppelt.

Suchten im ersten Jahr 43 Menschen Hilfe, wurden im abgelaufenen Jahr 119 Patienten behandelt. Etwa die Hälfte aller Hilfesuchenden kommt aus dem Landkreis.

Auch in der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bad Emstal steigt die Zahl der Behandlungen rapide an. Von den jährlich etwa 2000 Klienten lassen sich rund 30 Patienten zusätzlich wegen Onlinesucht behandeln. Das sind sechs Mal so viele wie noch vor fünf Jahren. Eine Behandlung diene laut Oberarzt Dr. Rüdiger Reise lediglich als zusätzliches Angebot für Menschen, die aufgrund eines anderen Suchtverhaltens bereits behandelt würden. Eine eigene Computersucht-Abteilung zählt nicht zum Angebot der stationären Therapien.

„Die Tendenz ist bei dieser Thematik generell weiter steigend“, sagt Petra Hammer-Scheuerer, Sachgebietsleiterin der Suchtberatung und -behandlung des Diakonischen Werks. Der Grund dafür sei eine zunehmende Sensibilisierung für die Sucht. „Heute ist ein größeres Bewusstsein vorhanden, sich behandeln zu lassen“, führt Hammer-Scheuerer fort.

Gefährdet sind nach Angaben von Dr. Rüdiger Reise besonders Kinder und Jugendliche, da diese in einer multimedialen Welt aufwuchsen und sich intensiver dem Computer widmeten, als vorherige Generationen. Es würde zu spät auf Risiken und Warnsignale reagiert, wodurch schnell in ein süchtiges Verhalten abgerutscht werden könne.

Auch sozial isolierte Erwachsene sind gefährdet. Dr. Reise: „Der Computer wird leicht zum Ersatz der fehlenden Sozialkontakte.“ Dennoch ist nicht jeder Nutzer gleich suchtgefährdet, sagt Reise.

Von Boris Naumann und Nico Beck

Quelle: HNA

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