Schnupfen-Saison

Corona bringt Eltern in Bedrängnis: Darf das Kind bei Erkältung in die Kita?

Zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung: Christina Philippi betreute ihren Sohn Maximilian, der einen Schnupfen hatte, einige Tage zu Hause.
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Zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung: Christina Philippi betreute ihren Sohn Maximilian, der einen Schnupfen hatte, einige Tage zu Hause.

Die Urlaubstage sind fast aufgebraucht, die Überstunden abgebaut und die Corona-Pandemie allgegenwärtig. Wenn das Kind dann Erkältungssymptome zeigt, müssen sich Eltern fragen: Was tun?

Bad Zwesten - Christina Philippi aus Bad Zwesten befand sich in dieser Situation. Ihr Sohn entwickelte an einem Wochenende eine Erkältung. „Die Nase ist gelaufen“, sagt die 45-Jährige. Fieber hätte Maximilian aber nicht gehabt, und abgesehen von seinem Schnupfen habe der Vierjährige keinen kranken Eindruck gemacht. Dennoch warteten die Eltern ab und betreuten ihren Sohn am Montag zu Hause.

„Am Dienstag hat ihn mein Mann dann in die Kita gebracht“, sagt Philippi. Nach rund einer Stunde habe sie jedoch einen Anruf aus der Kindertagesstätte Welt-Entdecker erhalten. Ihr Sohn sei krank und müsse abgeholt werden. „Das hat sich nicht gut angefühlt. Wir würden unseren Sohn nie in die Kita schicken, wenn er richtig krank ist“, sagt die Bad Zwestenerin. „Für Maximilian war das doof“, sagt Philippi, die jedoch Verständnis für die Entscheidung der Kita-Mitarbeiter hat. „Ich würde ja selbst auch nicht wollen, dass mein Sohn von einem anderen Kind angesteckt wird.“

Erkältung in Zeiten von Corona: Wie krank ist das Kind tatsächlich?

Gerade in Zeiten von Corona sei es sowohl für Eltern als auch für die Erzieher eine Herausforderung zu beurteilen, wie krank ein Kind tatsächlich ist. Philippi brachte Maximilian noch am Dienstag zum Hausarzt. Dieser bestätigte mit einem Attest, dass das Kind keine ernsthafte Erkrankung hat. Das hessische Sozialministerium hat einen Leitfaden für verunsicherte Eltern herausgegeben.

Am Mittwochmorgen schickte Philippi den Nachweis an die Kita: Maximilian durfte in die Einrichtung zurückkehren – doch nun wollte er nicht mehr. Bereits den letzten Tag vor den Sommerferien hatte er aufgrund eines Heuschnupfens zu Hause bleiben müssen. Die lange Schließung der Einrichtung verband er damit und so habe er nun seine Eltern gefragt: „Bleibt die Kita wieder so lange geschlossen?“

Auch habe es Maximilian beschäftigt, dass er heimgeschickt wurde. „Darf nur ich nicht hin?“, fragte er. Am Donnerstagmorgen war der Vierjährige ebenfalls noch nicht bereit, in die Kita zu gehen. Er habe Schnupfen und müsse ja wieder nach Hause. Maximilian blieb auch am Freitag nach einer Diskussion auf eigenen Wunsch zu Hause. Am Montag sei dann eine Kindergartenfreundin von zu Besuch gekommen. „Sie hat ihn animiert wieder hinzugehen“, sagt Philippi.

Erkältung in Zeiten von Corona: Kinderbetreuung stellt Eltern vor Herausforderungen

Die Betreuung ihres Sohnes an den fünf Werktagen konnte die 45-Jährige nur mithilfe ihres Mannes, der Wechselschicht arbeitet, und ihrer Mutter gewährleisten. „Wenn ich mit ihm alleine bin und arbeiten soll, ist es schon eine Herausforderung“, sagt die 45-Jährige, die im Homeoffice arbeitet und Gleitzeit hat.

Ganz anders sieht es bei Alleinerziehenden, bei Eltern in anderen Berufen und bei häufiger kranken Kindern aus. Unter den aktuellen Umständen müssten Arbeitgeber in diesen Fällen, so Philippi, wohl noch das eine oder andere Auge zudrücken. „Es ist erst September und die Erkältungszeit beginnt erst noch“, sagt Philippi.

Eine schwierige Herausforderung für die Familien

Bei Erkältungs- oder anderen Krankheitssymptomen gilt wie vor der Corona-Pandemie, dass Kinder, die eindeutig krank sind, nicht in die Kita gebracht werden dürfen. Wann ein Kind zu Hause bleibt, wann es einen Arzt benötigt, wie und wann die Rückführung des Kindes in die Kita erfolgt, hat das hessische Sozialministerium für die Kindertagesstätten festgelegt: „Schnupfen ohne weitere Krankheitszeichen ist, genauso wie leichter oder gelegentlicher Husten beziehungsweise Halskratzen, kein Ausschlussgrund.“

Zu Hause bleiben müssen hingegen Kinder, die Fieber ab 38 Grad haben, einen trockenen Husten (nicht durch eine chronische Erkrankung verursacht) sowie eine Störung des Geschmacks- oder Geruchssinns haben (nicht als Begleitsymptom eines Schnupfens) haben. Diese Symptome können auf eine Covid-19-Erkrankung hinweisen. (Christina Zapf)

Eine schwierige Herausforderung für die Familien

„Für die Eltern ist die Erkältungszeit eine schwierige Zeit“, sagt Hildegard Müller-Ploghaus, Leiterin der Kita Welt-Entdecker in Bad Zwesten. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei mit den vom Gesetzgeber festgelegten Kinderkrankentagen in Coronazeiten nicht ausreichend gewährleistet. Deshalb wurde ihre Zahl erhöht. Dennoch stünden die Eltern von kranken Kindern vor Herausforderungen, insbesondere unter Pandemiebedingungen.

Zum konkreten Fall wollte sich die Kita-Leiterin zwar nicht äußern. Entwickeln sich aber Symptome eines banalen Infekts während der Betreuungszeit, würden Eltern von Kindern mit Vorerkrankungen oder Risikoerkrankungen telefonisch verständigt. Sie entschieden, ob das Kind in der Einrichtung bleibt oder zum Arzt müsse.

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