Corona-Krise

Gemeinsamer Lieferdienst als Rettung für Gießener Gastronomen?

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Giancarlo Biscardi stellt die Bewirtung im Gianoli ein und setzt ab sofort auf Lieferungen und Abholungen. 

Die Lage ist angespannt: Die Corona-Krise stellt auch die Gießener Gastronomie vor große Herausforderungen. Schon jetzt sind die Umsätze einiger Restaurants eingebrochen. Die Rettung könnte ein gemeinsamer Lieferservice sein - und ein gemeinsames Motto: www.giessenteiltaus.de

Gießen - Die Stimmung unter den Gießener Gastronomen ist schlecht. So schlecht, dass sich einige von ihnen bereits am Dienstagabend auf Einladung von Initiator Shadi Souri in dessen Pizza Wolke zu einer Art Krisensitzung getroffen haben. Das Ziel: Die Auswirkungen der Corona-Krise abwenden. "Wir wollen unsere Mitarbeiter und unsere Rechnungen weiter bezahlen. Dazu müssen wir Umsätze generieren", sagt Souri.

Seit Mittwoch ist die Gastronomie auch in Gießen endgültig vom Coronavirus betroffen. Nach dem gemeinsamen Beschluss von Bundesregierung und Land Hessen dürfen Gaststätten ab sofort nur noch bis 18 Uhr öffnen. So soll das Virus eingdämmt werden. Kneipen, Bars, Discotheken und Clubs bleiben sogar komplett geschlossen. Lieferdienste sind von der neuen Regelung nicht betroffen.

Coronavirus Gießen: Gastronomen aus Gießen planen Zusammenarbeit

Und genau das könnte vielleicht die Rettung sein. Das hoffen zumindest einige der Betreiber von Gutburgerlich, Schwätzer & Söhne, Dachcafé, Gianoli, Geschmacksverkehr, Reynabi, Heisszeit, Kussmund, Bärenstark, Noams Deli, Shepherds Coffee und Tom & Sally’s, die sich am Dienstag in der Pizza Wolke versammelt hatten und Ideen austauschten, um auf Umsatzeinbußen auf der einen und die Fixkosten, die aus dem Rudern laufen könnten, auf der anderen Seite zu reagieren. Am Ende steht ein Versuch: Auf einer gemeinsamen Website unter www.giessenteiltaus.de wollen die teilnehmenden Gastronomen ihr jeweiliges Angebot für ihre jeweiligen Lieferdienste bündeln. Sie wollen sich miteinander solidarisch zeigen und sich gegenseitig unterstützen, eine neue Anlaufstelle im Internet schaffen, auf der die Gießener ihre Lieblingslokale gesammelt finden. "Ein Gießenrando", sagt Giovanni Parise (Heisszeit) am Dienstag in Anlehnung an den deutschlandweiten Lieferservice "Lieferando".

Neben dem eigenen Überleben schwingt auch die Idee mit, im Falle einer Quarantäne oder gar einer Ausgehsperre weiterhin für ihre Kunden da zu sein. "Gießener Gastronome für Gießener Bürger" also. Das gilt in diesen schweren Zeiten aber irgendwie auch andersherum: "Gießener Bürger für Gießener Gastronome".

Coronavirus Gießen: Lieferservice aus Boden gestampft

Ein Teil der Einnahmen soll am Ende auch Hilfsbedürftigen zugute kommen. Darauf legen die Gastronome Wert. Schon am Dienstag denken einige auch an diejenigen, die die Corona-Krise vermutlich noch härter trifft. "Die Tafel hat zugemacht. Es gibt viele da draußen, denen es jetzt am Nötigsten fehlt. Die sollten wir bei all unseren Überlegungen nicht vergessen. Wie können wir denen helfen?", fragt Dominic Büttner, einer der Betreiber des Gutburgerlich in die Runde.

Giancarlo Biscardi vom Gianoli denkt schon an die Zukunft, die Zeit nach der Krise. "Wir müssen uns wahrscheinlich neu erfinden", prognostiziert er. Biscardi fürchtet, dass sich das Ausgehverhalten seiner Gäste durch die Corona-Krise nachhaltig verändern, das Konsumverhalten sich zudem reduzieren könnte. Er hat sein Restaurant in der Plockstraße ab sofort für den Publikumsverkehr geschlossen und in zwei Tagen einen Lieferdienst mit Onlinebestellformular aus dem Boden gestampft und eine Abholmöglichkeit geschaffen. "Ich hoffe auf meine Stammkunden und darauf, dass sie dabei helfen, dass sie auch nach der Krise wieder bei uns essen können."

Die Unsicherheit ist groß. Die Sorge um die Zukunft spürbar. Schon bis Dienstag sei bei einigen der Umsatz um 50 Prozent eingebrochen. Als Konsequenz schließen einige Läden, andere wollen ausharren und zumindest bis 18 Uhr öffnen. Minas Adis und Philipp Kübler bieten im Gutburgerlich Rabatt für Abholungen an, denn die sind auch nach 18 Uhr noch möglich. "Bei allen Ideen denken wir gar nicht daran, Gewinn zu machen, uns würde es schon reichen, wenn wir unsere Leute weiter beschäftigen könnten", sagt Adis.

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