Noch keine Verdachtsfälle im Landkreis

Kliniken sind vorbereitet auf das Coronavirus

Coronavirus: Kliniken im Schwalm-Eder-Kreis sind vorbereitet
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Coronavirus: Kliniken im Schwalm-Eder-Kreis sind vorbereitet

In den Kliniken des Schwalm-Eder-Kreises gibt es noch keine Fälle des Coronavirus. In den Asklepios-Kliniken und im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar sei man aber vorbereitet.

In den meisten Apotheken des Landkreises waren gestern Atemschutzmasken ausverkauft. Sogar die Großhändler hätten Lieferenpässe, berichtet Eva Seitz, Inhaberin der Aesculap-Apotheke in Melsungen. In Deutschland stieg die Zahl der am Corona-Virus erkrankten Menschen am Mittwoch auf vier. Todesfälle gab es am Mittwoch noch nicht.

Krankenhäuser bereiten sich vor

Die Vorbereitungen in den drei Krankenhäusern im Landkreis ähneln sich. So sei zum Beispiel der Vorrat an Atemschutzmasken erhöht worden, berichtet Alexander Kessler, Leiter der Krankenhaushygiene für beide Asklepios-Standorte im Landkreis.

Asklepios Leiter der Krankenhaushygiene Alexander Kessler, Schwalmstadt

Auch der Bestand an Probenröhrchen wurde erhöht. Außerdem lägen an sensiblen Punkten vermehrt Handschuhe, Masken und Kittel aus, sagt Dr. Carsten Bismarck, medizinischer Direktor am Hospital zum Heiligen Geist. Sollten Patienten mit auffälligen Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert oder vorstellig werden, würden diese mit Atemschutz ausgestattet und in einem separaten Behandlungszimmer aufgenommen. Untersuchung und Schleimhautabstrich erfolgten dort, sagt Bismarck. Parallel würden Patienten auf das Grippe-Virus untersucht. 

Dr. Carsten Bismarck 

Werde das Corona-Virus bestätigt, fordert das Robert-Koch-Institut in den aktuellen Leitlinien die Verlegung in ein Isolierzimmer mit Schleusenfunktion, erklärt Dr. Ulrich Klinge, Leiter des Gesundheitsamtes des Kreises. Da gebe es aber nur sehr begrenzte Möglichkeiten im Landkreis. Patienten mit normalen Verläufen dürften daher in einem Einzelzimmer untergebracht und behandelt werden.

Händewaschen als Vorbeugung

Eine Verunsicherung ist zu spüren im Landkreis: Patienten fragten vermehrt Atemschutzmasken nach, berichtet Apothekerin Eva Seitz. Auch nach Möglichkeiten der Vorbeugung werde gefragt. Das Mittel der Wahl bei allen Infektionskrankheiten sei häufiges und gründliches Händewaschen. Ein starkes Immunsystem sei ein guter Schutz: Das könne man durch eine gesunde Ernährung und viel Bewegung stärken.

Coronavirus nicht gefährlicher als Grippe

Auch wenn das Corona-Virus derzeit für eine große Verunsicherung sorgt, ist es nach aktuellem Stand nicht gefährlicher als das Grippe-Virus. Die Sterberate vom Corona-Virus liegt laut der Berliner Charité nach bisherigem Kenntnisstand bei zwei Prozent: Von 4500 Infizierten starben mehr als 100. Dazu die Zahlen der Grippe-Infektionen im Schwalm-Eder-Kreis zum Vergleich: Im Jahr 2019 gab es 172 Infektionen und drei Todesfälle, im Jahr 2018 269 Infektionen und acht Todesfälle, 2017 waren es zwei Todesfälle bei 88 Infektionen. Die Zahlen stammen vom Kreisgesundheitsamt.

In der aktuellen Grippe-Saison sind nach Angabe von Dr. Ulrich Klinge, dem Leiter des Gesundheitsamtes, fünf Infektionen gemeldet. Wie bei der Grippe gelte auch beim Corona-Virus, dass leicht erkrankte Patienten zu Hause isoliert behandelt werden können, sagt Klinge.

Ulrich Klinge, Leiter des Gesundheitsamtes

Erkrankte sollten dann das Haus nicht verlassen, nicht zur Arbeit gehen und den Kontakt mit Menschenansammlungen vermeiden.

Fälle mit normalem Verlauf dürften in den Krankenhäusern des Landkreises behandelt werden, auch wenn keine Isolierzimmer mit Schleusenfunktion vorhanden seien.

Sollten Patienten schwerer erkrankt sein, ist Kontakt mit dem Kompetenzzentrum für hochinfektiöse Erkrankungen in Frankfurt aufzunehmen. Dort werde dann in Absprache mit den Ärzten entschieden, ob der Patient auf die Isolierstation nach Frankfurt verlegt werde, sagt Klinge. Dafür stehe in Hessen eines der wenigen in Deutschland verfügbaren Spezialfahrzeuge der Feuerwehr zur Verfügung. In diesem Fahrzeug können sogar mit dem Ebolavirus infizierte Patienten transportiert werden.

Solange es sich um einen Verdachtsfall handele, genüge eine Unterbringung im Einzelzimmer mit entsprechenden Hygienemaßnahmen für das Personal und den Patienten.

„Wir würden jeden Verdachtsfall aufnehmen“, sagt Dr. Carsten Bismarck, medizinischer Leiter des Hospitals zum Heiligen Geist in Fritzlar. Das Krankenhaus verfüge über einen Isolierbereich, in dem infektiöse Patienten behandelt werden können. Schwere Verläufe seien bei immungeschwächten und älteren Patienten zu erwarten. Keinesfalls wolle er die Erkrankung bagatellisieren, aber Panik sei unangebracht, sagt Bismarck.

In den Krankenhäusern habe man regelmäßig mit infektiösen Erkrankungen wie dem Norovirus, dem Rota-Virus und dem Grippe-Virus zu tun, sagt dazu Alexander Kessler, Leiter der der Krankenhaushygiene bei Asklepios Schwalm-Eder. Im Umgang mit solchen ansteckenden Patienten habe man eine große Routine in den Kliniken.

Händehygiene ist eine Möglichkeit, sich vor dem Erreger 2019-nCoV des Corona-Virus zu schützen. Unterstützend kann nach Empfehlung des Industrieverbands Hygiene ein Händedesinfektionsmittel eingesetzt werden. Der Einsatz sollte sparsam erfolgen. Die Hände sollten dann mit Creme gepflegt werden. Auch Arbeitsflächen sowie Tresen in Geschäften sollten regelmäßig gesäubert und desinfiziert werden. Desinfektionsmittel sind in verschiedene Wirksoffklassen eingeteilt. Die niedrigeste Klasse ist gekennzeichnet mit „begrenzt viruzid“ und tötet Grippe-Viren. „Bei der Anwendung für die Hände- und Flächendesinfektion ist dieser Nachweis zwingend“, sagt Anja Dörnke-Bartling, Sprecherin des Desinfektionsmittelherstellers Dr. Schuhmacher GmbH aus Malsfeld.

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Quelle: HNA

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