„Fliegenden Notarztwagen“ vor Einsatz in Afghanistan

Crews von Nato-Hubschraubern trainierten Notfallrettung

Die Crews des neuen Nato-Hubschraubers NH90 trainierten für den Einsatz in Nord-Afghanistan.

Fritzlar. Im April schickt Verteidigungsminister de Maizière vier moderne NH90-Hubschrauber nach Afghanistan. Die „fliegenden Notarztwagen“ sollen am Hindukusch schwerverwundete Soldaten aus Gefechten bergen. Die Soldaten trainierten jetzt in Fritzlar für den Einsatz.

„Da habe ich gebetet“, gesteht der Oberstabsgefreite. Das war im Herbst 2012, als der 25-Jährige mit seiner Hubschrauber-Crew den Befehl erhielt, ein zweites Mal in eine Kampfzone zu fliegen. Während der ISAF-Operation in Afghanistan wurde der Bordschütze in schwere Gefechte mit den Taliban verwickelt.

Aus dem erfolgreichen Einsatz kehrte er unversehrt zurück. Ängstlich sei er nicht geworden, sagte er. Auch für seinen vierten Auslandseinsatz im April in Afghanistan baut der Optimist auf familiären Rückhalt.

Dort, auf der ISAF-Airbase im Camp Marmal, werden seine militärischen Qualitäten erneut hoch im Kurs stehen. Denn im Einsatz kniet der Bordsicherungssoldat Taktische Operationen, so seine Funktion, mit einem Maschinengewehr bewaffnet hinter der geöffneten Laderaumtür des neuen Nato-Hubschraubers 90, kurz NH90 genannt.

Der Auftrag des Doorgunners, wie sein Job in Nato-Englisch heißt: Bei Flügen einen zweiten Hubschrauber schützen - den NH90 Forward-Air-MedEvac (FAM). Das ist ein fliegender Notarztwagen, der über moderne Rettungsmedizinausrüstung verfügt. Damit können zwei Schwerstverwundete intensivmedizinisch versorgt werden.

Für die Luftrettung darf die NH90-Crew, in der ein Militärarzt und ein Rettungssanitäter mitfliegen, nicht mehr als maximal 60 Minuten Zeit benötigen. „Diese Stunde entscheidet über Leben und Tod“, so Oberst Andreas Pfeifer, Kommandeur des Faßberger Transporthubschrauberregiments 10 gegenüber der HNA. Für das Einsatz-Training nutzten die Soldaten die gute Infrastruktur der Georg-Friedrich-Kaserne in Fritzlar.

„Beim Kampfhubschrauberregiment 36 treffen wir auf optimale Voraussetzungen“, sagt Pfeifer, „in den Großraumhallen, in denen der neue Kampfhubschrauber Tiger gewartet wird, finden wir alles vor, was zur Fluginspektion der vier NH90 benötigt wird.“ Und man habe die Möglichkeit, mit Tigern und NH90 gemeinsamen zu operieren. Weniger behaglich waren die Luftrettungseinsätze der Hubschrauberübung mit der Bezeichnung Decisive Dragon (Entscheidungsmächtiger Drache). Per Lautsprecher aus der Operationsbasis in Fritzlar alarmiert, mussten die NH90-Crews mehrmals täglich zum bayerischen Truppenübungsplatz Wildflecken fliegen. Von Schneestürmen wie simulierten Taliban-Hinterhalten gefordert, hieß es dort, verwundete Kameraden binnen weniger Minuten zu bergen.

Die Ziellinie zur FAM-Qualifikation haben die NH90-Crews jetzt überschritten. „Ein Team, eine Mission, lautet es jetzt bei Fliegern, Doorgunnern, Medizinern und Technikern“, resümierte Pfeifer. Auch der NH90, weltweit der erste Militärhubschrauber mit einer speziellen elektronischen Flugsteuerung, hätte sich bei den realistischen Luftrettungsübungen bewährt.

Crews von Nato-Hubschraubern trainierten Notfallrettung

„Ich bin mir sicher, dass wir die bevorstehenden Aufgaben in Afghanistan wie gefordert meistern werden. Mensch und Maschine haben sich gut zusammengefunden“, sagte NH90-Kommandeur Pfeifer zur HNA.

Von Volker Schubert

Quelle: HNA

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